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Wissenschaftsvisionen 2015.

article_866_forschungsstadt_teaser_120.jpg Im Jahre 2015 feiern mehrere Universitäten Wiens ihr rundes Jubiläum, unter anderem wird die Universität Wien 650 Jahre, die TU Wien 200 Jahre und die Veterinärmedizinische Universität 250 Jahre bestehen. Dies war Anlass für einen Abend im HUB Vienna, einem international vernetzten Arbeitsort kreativ Schaffender, sich über Perspektiven Wiens als Forschungsstadt auszutauschen.

Metape Can | 22.01.2012

Lernen von anderen.

Am 7. Dezember 2011 versammelte sich ein interessiertes Publikum im HUB, um etwas über die Positionierung Wiens als Forschungsstandort zu erfahren. Ihr Wissen dazu teilten Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste, Martin Gerzabek, Rektor der Universität für Bodenkultur (BOKU) und der ehemalige Bundessprecher der Grünen, Alexander Van der Bellen. Van der Bellen ist ehrenamtlicher Beauftragter der Stadt Wien für Universitäten und Forschung. Er hat zu dem Thema einen lesenswerten Bericht herausgebracht, in dem Expert*innen wie Wiener Rektor*innen zur Forschungssituation in Wien Stellung nehmen (www.vanderbellen.at). Durch den Abend führte die Wissenschaftsjournalistin Sonja Bettel.

Da Wien 2015 im Forschungsbereich im Rampenlicht stehen wird, fragte Bettel am Podium nach dem Status quo sowie nach Maßnahmen und Ideen zur Forschung in Wien.
Van der Bellen brachte als mögliche Leitmodelle für Wien drei Standorte vor, die sich verschiedenartig auf wissenschaftlicher Ebene etabliert und verbessert haben. So hat es die ETH Lausanne innerhalb weniger Jahre geschafft, sich an die Forschungsspitze Europas zu bringen. Das Konzept der ETH beruht unter anderem auf einem Umbau der Personalstruktur und der Einführung des sogenannten Tenure Track-Systems sowie der architektonischen Umsetzung der Universität als Kommunikationsort. So steht den Studierenden und Universitätsangehörigen mitten im Campus ein nutzungsoffenes Gebäude zur Verfügung. Ein weiterer Aspekt ist laut Van der Bellen das rigide Studierendenregime, bei dem nach einem Jahr strenge Prüfungen stattfinden, so dass das Niveau hoch gehalten wird. ein anderes Beispiel ist der Forschungsstandort Brünn. Hier wird über internationale Kooperationen der Austausch von Wissen und die Etablierung an der Weltspitze angestrebt. Finanziell wird dies über eine Förderung durch die EU ermöglicht. Die Stadt Brünn ist wegen ihrer geographischen Nähe auch für Wien von Interesse. Brünn liegt näher an Wien als z.B. Linz oder Graz. Als drittes Beispiel nannte Van der Bellen das Wissenschaftszentrum in Berlin (WZB), welches er mit dem I.S.T.A. (Institute of Science and Technology Austria) in Gugging verglich. Im Gegensatz zum WZB sind in Gugging, wo Grundlagenforschung betrieben wird, die Kooperationen mit Wiener Universitäten nicht institutionalisiert. Am WZB sind lokale Universitäten in die Forschungsarbeit eingebunden.

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Eva Blimlinger,Martin Gerzabek,Sonja Bettel,Alexander Van der Bellen

 

Hindernisse und Chancen.

Die Finanzierungsfrage war ein zentrales Thema, das nicht nur die Vortragenden, sondern auch das Publikum beschäftigt hat. Viele Zuhörer äußerten ihre Skepsis darüber, dass sich Wien bis 2015 tatsächlich erfolgreich positionieren kann. Ein Grund für diese Skepsis ist, dass aufgrund von Einsparungen 30 Prozent der Stellen an der Akademie der Wissenschaften abgebaut werden sollen. Ein weiteres Beispiel sind Kettenverträge mit befristetem Arbeitsverhältnis, die für Jungforscher*innen Jobunsicherheit bedeuten. Blimlinger kritisierte diese Praktik und forderte allgemein ein Umdenken im Arbeitsrecht und in den universitären Strukturen. Denn die verschiedenen Arbeitsverhältnisse, die auf der Universität angewandt werden, brauchen viel Bürokratie und diverse Lohnverhandlungen. Zugleich sprach sich die Rektorin auch für eine Alternative zur Habilitation aus, da sie im Widerspruch zur geläufigen Anstellung von Lehrbeauftragten stünde. Für Künstler*innen in der Lehre sei die Habilitation nicht von Bedeutung, denn diese sind ohnehin schon an den jeweiligen Kultureinrichtungen etabliert. Wichtig war für Blimlinger der Zusammenhang zwischen fehlenden Finanzen und der schlechten Fördersituation von Nachwuchsforscher*innen.
Gerzabek hingegen befand Kettenverträge als mitunter einzig gangbare Lösung für universitäre Institute, weil unkündbare Angestellte bei Budgetknappheit zur finanziellen Belastung werden. Dem Rektor der BOKU schienen Eingriffe auf der Mikroebene wichtig, beispielsweise eine mögliche Einrichtung einer Jobplattform für Partner*innen von ausländischen Wissenschaftler*innen, die nach Wien kommen oder auch die Bereitstellung von preisgünstigen Startwohnungen für Lehrende und Studierende aus dem Ausland.

Internationalität als Standard.

Die drei Expert*innen waren sich einig, dass Internationalität ein wichtiges Merkmal für einen Forschungsstandort ist. Van der Bellen übte Kritik am Fremdenrecht des Bundes, das forschungsfeindliche Bestimmungen habe. Auch Blimlinger und Gerzabek merkten an, dass für Drittstaatenangehörige erschwerte Bedingungen zur Einreise nach Österreich existieren. Dies betreffe Lehrende und vor allem Studierende. Wien könne aber erst durch Internationalität zu einem renommierten Wissenschaftsstandort werden. Dies sei auch teilweise schon der Fall, wie etwa im Bereich der Bioinformatik.
Rektorin Blimlinger erzählte auch von einer Kooperation zwischen künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung namens "arts-based research", die einzigartig nur in Wien angeboten wird.

Die Forderungen der drei Diskutant*innen reichten vom Wunsch nach einer besseren Infrastruktur der Forschung und der Räumlichkeiten bis hin zu einer Änderung des Arbeitsrechtes im universitären Bereich. Ferner wäre ein leichterer Zugang für Drittstaatenangehörige von Bedeutung. Finanzierungsfragen wurden von den Vortragenden bewusst nicht als einziges Anliegen an die Regierung formuliert, sie schwangen aber immer mit.

Im Publikum war reges Interesse an der wissenschaftlichen Entwicklung Wiens zu erkennen. Doch wegen der offensichtlich knapper werdenden Investitionen waren Zweifel an einer im internationalen Vergleich wettbewerbsfähigen Forschung bemerkbar. Hierzu sei angemerkt, dass laut Van der Bellen 2011 1,3 Prozent des BIPs und im Jahr darauf 1,2 Prozent des BIPs für den tertiären Bildungssektor veranschlagt sind, obwohl es laut Regierungsbeschluss 2 Prozent sein sollten.

Die Autorin ist Mitglied des GBW-Redaktionsteams.

Link:

zur Website von Alexander Van der Bellen


Referenzen:

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