In Österreich und Deutschland sind Personen mit Migrationshintergrund besonders oft von Arbeitslosigkeit betroffen. Viele Jahre sind verstrichen, bevor beide Seiten erkannten, dass die einstigen Gastarbeiter*innen dauerhaft in Österreich und Deutschland bleiben und ihre Familien nachholen oder neu gründen würden. Inzwischen hat sich der Arbeitsmarkt verändert, auch für neu zuwandernde Menschen ist es nicht einfach, zum Arbeiten nach Österreich zu kommen. In den letzten Jahren haben Deutschland und Wien verschiedene Maßnahmen zur (beruflichen) Integration gesetzt. Zum Austausch über diese bedurfte es an diesem sonnigen Dienstagvormittag jedoch zunächst einiger Ausdauer, um den Veranstaltungsort nebst der Trabrennbahn in der Wiener Krieau zu finden.
Foto: Lisa Jochmann
Netzwerken und vorhandene Angebote nützen.
Die Arbeitsmarktdaten zeigen, dass Deutschland mehr berufliche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund benötigt. 2009 waren 13,1 Prozent der Migrant*innen arbeitslos, mehr als doppelt so viele wie Personen ohne Migrationshintergrund, referierte Sabine Schröder vom Koordinierungsprojekt Netzwerk IQ. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gründete daher bereits 2005 das bundesweite Netzwerk "Integration durch Qualifizierung" (IQ), um diese Schere zu reduzieren. Die heuer installierten 16 regionalen Netzwerke sollen Instrumente, Handlungsempfehlungen und Konzepte umsetzen und mit Integrationsakteuren vor Ort kooperieren. Konkret sollen mittels des Förderprogramms IQ die Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt für erwachsene Migrant*innen verbessert werden, indem etwa interkulturelle Kompetenzen im Bereich der Grundsicherung und der Agenturen ausgebaut oder bereits bestehende Integrationsangebote enger miteinander verzahnt werden.
Als eine praktische Umsetzung dieser Vorhaben hat das Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft in Jena e.V. das Projekt "Integration durch Förderung und Diskurs für Migranten" (IFD-M) ins Leben gerufen. Dieses soll die vielfältigen Angebote für Migrant*innen vernetzen und bündeln, um einen erfolgreichen (Wieder-) Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Die regionalen Netzwerke haben die Angebote in die fünf Phasen einer "Prozesskette für berufliche Integration" eingeordnet:
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Zugang, Ansprache, Information - etwa bei beruflichem (Wieder-) Einstieg oder beruflicher Weiterentwicklung
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Berufliche Orientierung und Planung - Vertiefung des vorigen Punktes
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Umsetzung und Qualifizierung - Förderung und Verbesserung individueller Chancen durch Training, Kurse, etc.
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Einstieg in die Erwerbstätigkeit - Unterstützung bei Bewerbungs- und Vermittlungsangeboten
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Erwerbstätigkeit sichern und entwickeln - unabhängig von Transferleistungen etwa durch betriebliche Weiterbildung für eine dauerhafte Erwerbstätigkeit
Man müsse daher nicht immer neue Projekte und Initiativen entwickeln, sondern könne zunächst prüfen, welche Angebote und Einrichtungen bereits vorhanden sind, um größtmögliche Effizienz zu gewährleisten, so die beiden Vortragenden Diana Dovidonyte und Anika Littmann.
Weiterqualifizierung und Diversität.
In Österreich befasse sich das Arbeitsmarktservice (AMS) Wien schon seit einigen Jahren mit den Themen der beruflichen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und Diversität, also der gesellschaftlichen Vielfalt. Dies sei nicht nur brandaktuell sondern auch ein Auftrag der Politik, so Dr. Ingeborg Friehs, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Wien. Auch in Österreich steige besonders die Arbeitslosigkeit von Personen mit Migrationshintergrund. Auffällig sei dabei, dass 45 Prozent der beschäftigten Migrant*innen in Wien maximal über einen Pflichtschulabschluss verfügen. Aus diesem Grund bilde die (Weiter-) Qualifizierung dieser Personen einen Schwerpunkt der Bemühungen.
Seit 2006 setzt das AMS zudem verstärkt Initiativen für Jugendliche, um diese gezielt in Lehrstellenplätze zu vermitteln und in Zwischenphasen fortzubilden. So würden Jugendliche zwar Lehrstellenplätze annehmen, sie aber nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Nach einer Mitarbeiter*innen- und Kund*innenbefragung betreibt das AMS Wien zudem seit 2006 Mitarbeiter*innen-Schulungen in Diversität, es wurde ein Diversitäts-Manager engagiert, ein Qualitätssicherungsmodell entwickelt und wie in Deutschland die Vernetzung mit anderen Organisationen vorangetrieben. Im kommenden Jahr werde mehr Geld als bisher in die Hand genommen, um einen modularen Lehrabschluss in Handel, IT und Gastgewerbe zu ermöglichen, sowie um den Schwerpunkt bei Deutschkursen auf Konversation zu setzen. Zusätzlich werde es ab Jänner 2012 auch zwei weitere Beratungszentren geben, so Friehs.
Die Autorin ist Politologin und Mitglied des Redaktionsteams der GBW Wien.
Links:
IQ NetzwerkBildungswerk der Thüringer Wirtschaft e.V.
Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen




