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Commons – Nutzung von Gemeingütern.

article_864_titelbild_120.jpg Intelligente Gemeinschaften erweitern Möglichkeiten. Commons arbeiten an einer zukunftsfähigen und lebenswerten Zivilgesellschaft. Die Idee dahinter: Sie stehen meist allen Interessierten offen, anstatt Eigentumsrechte einzelner zu befördern. Im Haus der Begegnung Mariahilf stellten am 3. Dezember 2011 einige größere und kleinere Gruppen ihre Projekte vor.

Carina Wellisch | 27.12.2011

Die Bereiche, zu denen Commons gebildet werden, sind sehr vielfältig. Oft wirken sie im Hintergrund, so dass man sie nicht bewusst wahrnimmt. Wie viele Menschen haben etwa schon einmal darüber nachgedacht, woher Wikipedia kommt? Kunst und Kulturvereine, Tauschkreise und andere Zusammenschlüsse gehören dazu. Zum Beispiel die Plattform Avaaz, die mit acht Millionen Mitgliedern weltweit immer wieder Onlinepetitionen startet, um soziale Gerechtigkeit durchzusetzen oder, um die Umwelt zu schützen. Manche Gruppen entstehen um sich gegen politische Missstände oder Fehlentscheidungen zu wehren. Da wird dann schon einmal gegen den Bau einer Autobahn mobilisiert um das Geld lieber in soziale Projekte zu stecken. Manche unterstützen einander bei kulturellen Projekten und bei anderen geht es um geschickte Lösungen, die das praktische Leben vereinfachen. Große Organisationen wie Greenpeace stellen sich dabei gerne in den Dienst der Sache und geben kleinen Projektgruppen Tipps. Das beginnt bei praktischem Wissen wie dem Nähen von Transparenten und endet beim Umgang mit Gesetzen wie etwa der korrekten Anmeldung von Demonstrationen.

Werkstätten und Lastenfahrradkollektive.

Eine beliebte Form von Commons sind gemeinsame Werkstätten. Ein sehr gelungenes Beispiel bietet die Bike Kitchen. Dort hilft man sich gegenseitig Fahrräder selbst zu reparieren. Außerdem handelt es sich um einen Platz der sozialen Zusammenkunft und Geselligkeit, wo gemeinsam gekocht und gegessen wird. Die Idee des Lastenfahrradkollektivs entstand aus dem Bau eines Lastenträgers, der immer wieder weiter verborgt wurde. Diese Anhänger eignen sich sogar für Wohnungsumzüge und können gegen freie Spenden ausgeliehen werden.

Gemeinsames Gärtnern.

Verschiedene städtische Gartengruppen erweitern ihr Lebensumfeld und bauen ihre Nahrung teilweise selbst an. Der Verein Gartenpolylog hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Gartenprojekte zu vernetzen. Überschüssige Ernten werden an Lebensmittelkooperationen wie Bioparadeis abgegeben oder getauscht. Auch soziale Projekte lassen sich damit unterstützen. Im Verein Großstadtgemüse geht es neben dem Anbau von Nahrung um die Vermittlung von Wissen über Pflanzen, Anbau und ökologische Zusammenhänge, sowie darum, die Biodiversität zu erhalten. Dieses Projekt ist ursprünglich mit Studierenden der Universität für Bodenkultur entstanden, die sich mehr Praxisbezug zu ihrem Studium gewünscht hatten. Heute steht es allen gärtnerisch Ambitionierten offen. Der Verein wünscht sich zudem mehr Lebensqualität und mehr essbare Pflanzen in der Stadt. Er will daher "lebensfeindliche" Gesetze ändern, wie das Verbot von Obst- und Nussbäumen in Wiener Schulen. "Obstbäume gehören vielmehr gefördert und dürfen nicht mehr aus dem Baumschutz fallen", so Eva Vesovnik, Koordinatorin des Vereins Großstadtgemüse. Neben den anerkannten Gemeinschaftsgärten wird auch Guerilla Gardening immer beliebter, bei dem heimlich ungenützte städtische Grünflächen mit Blumen bepflanzt werden.

Initiative Zivilgesellschaft.

Die Initiative Zivilgesellschaft trifft sich einmal im Jahr, um sich über die Weitergestaltung unser Gesellschaft Gedanken zu machen und sich über Ideen oder Projekte austauschen. Die Themen reichen von politischen Ideen wie Grundsicherung oder direkte Demokratie über ökologische Fragestellungen, soziale Themen, Erfahrungen mit Entwicklungszusammenarbeit und vieles mehr. Neben den Vorträgen gibt es thematische Workshops in Kleingruppen, deren Ergebnisse schließlich allen Teilnehmer*innen der Initiative vorgestellt werden.

Das Metalab.

Metalab bietet eine frei nutzbare Infrastruktur für technisch kreative Menschen. Wer von 3D-Druckern bisher nur in Wissenschaftsmagazinen gelesen hat, kann sich vor Ort ansehen, wie aus Nylonpulver kleine Gegenstände entstehen. Die Besucher selbst können den Drucker testen und damit kleine Kunstwerke oder Alltagsgegenstände schaffen. Clifford Wolf, der sein erstes Programm mit nur neun Jahren entwarf, schrieb das verwendete Programm Openscad und stellte es kostenlos zur Verfügung. Das Metalab bietet Raum, um Wissen auszutauschen, Fähigkeiten zu entwickeln und sich kreativ zu entfalten - oder um einfach einmal eine Party zu feiern.

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Werkstücke aus dem 3D-Drucker


Die Free Software Foundation Europe (FSFE).

Die Mitglieder der FSFE entwickeln freie Software für eine freie Gesellschaft. Dabei halten sie es für wichtig, nicht nur auf staatlicher Ebene, sondern auch bei internationalen Entscheidungsprozessen für die Erhaltung der Freiheit einzustehen. Den Vereinten Nationen legen sie nahe, statt einer WIPO (Weltorganisation für geistiges Eigentum) besser eine Weltorganisation für allgemeinen geistigen Wohlstand einzurichten. Sie lehnen Beschränkungen durch geistiges Eigentum ab, Wissen und Informationstechnologie sollen für jeden zugänglich sein und kein Privileg derer, die es sich leisten können. Und sie sind fleißig gewesen. Fast alle üblichen Programmfunktionen gibt es bereits kostenlos als Open Source-Varianten. Diese Programme seien durch stete Weiterentwicklung immer benutzerfreundlicher und einfacher zu bedienen geworden. Die FSFE hat in Österreich einige hundert Mitglieder, auch wenn die genaue Zahl aufgrund von Datenschutzbestimmungen nicht genau feststellbar sei, so der Fellowship-Koordinator, Matthias Kirschner. Diese offene Gruppe trifft sich jeden dritten Freitag im Monat um 18 Uhr im Metalab. Interessierte sind gerne eingeladen vorbei zu kommen.

Die Autorin studiert Agrarwissenschaften und ist im Redaktionsteam der GBW Wien.

Referenzen:

Thema: Gleichheit

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