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Vermisstenanzeige. Wo sind unsere Commons?

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In den letzten Jahren sind sie still und heimlich weniger geworden: unsere Commons. Was passiert mit ihnen? Warum müssen wir immer tiefer in unsere Taschen greifen? Warum werden Wälder eingezäunt, warum Parks nachts abgesperrt? Und warum gibt es immer mehr Überwachungskameras?

Der Workshop am 31.3.2011 in der Grünen Bildungswerkstatt Wien mit Brigitte Kratzwald* wirft viele Fragen auf. Vor allem an uns selbst: Wieso fällt es uns immer schwerer, miteinander zu teilen? Warum horten wir so viel Unsinn? Welche Rechte haben wir als BürgerInnen und warum nutzen wir diese kaum?


Lina Brändli | 18.04.2011

Was sind Commons, und warum brauchen wir sie?

„Commons“ können als Gemeingüter übersetzt werden. Allerdings handelt es sich dabei nicht um „Dinge“ im materiellen Sinn. Viel mehr geht es um einen Konsens darüber, wie wir miteinander und mit gewissen Dingen umgehen wollen. Es gibt nicht „die eine Regel“, an die wir uns halten müssen. Wichtig ist, dass wir uns Regeln in der Gemeinschaft erarbeiten. Ob dies nun für den gemeinschaftlichen Gartengrill oder die gemeinsame Waschküche gilt – in jedem Fall bedarf es dafür Kommunikation und eines gleichberechtigten Austauschs. Ebenso braucht es auch kleine Sanktionen bei Verstößen.

Ein Problem unserer Gesellschaft ist aber, dass wir als „homines oeconomici“ zu wenig oder überhaupt nicht mehr miteinander reden. Wir sind Individuen, die sich durchschlagen müssen. Am freien Markt zählt das Recht des Stärkeren. Ein Wandel weg von diesem Denken ist nicht nur aus sozialen Gründen notwendig, sondern auch aus ökologischer Sicht unabdingbar. Denn Ressourcen auf unserem Planeten werden knapp. Das werden sie allerdings nicht von alleine. Wer hätte je geglaubt, dass wir Ozeane leerfischen können? Dass Regenwälder verschwinden, oder dass wir nicht sicher sein können, ob wir radioaktives oder genmanipuliertes Essen vorgesetzt bekommen? Zum Wohle der Wirtschaft scheint der Mensch zu allem fähig.

Dabei kann es auch anders gehen. Würden alle nur so viel nehmen, wie sie brauchen, müssten nicht täglich kiloweise Obst und Gemüse weggeworfen werden. Supermärkte und Bäckereien in Wien entsorgen jeden Tag eine so große Menge an Brot, wie sie ganz Graz versorgen könnte. Dabei sei an den unnötig hohen Energiebedarf und die Rohstoffverschwendung gedacht: Das weggeworfene Brot muss, bevor es in die Regale kommt, erst einmal gebacken und transportiert werden.

Alternativen suchen, finden und selber machen.

Wir sind nicht die ersten Menschen, die sich mit solchen Fragen auseinandersetzen. Es gibt bereits viele Gruppen, die sich in Wien und rund um den Globus mit ihrem „Recht auf Stadt“ auseinander setzen. Was spricht dagegen, mit der Nachbarschaft oder Bekannten einen Gemeinschaftsgarten zu gründen, und dort selbst Obst und Gemüse anzupflanzen? Das macht Spaß, verbindet und bringt darüber hinaus Gemüse, von dem man weiß, dass es nicht chemisch behandelt wurde. Falls dies zu viel Arbeit erscheint, kann man auch einfach Mitglied in einer Food-Coop (Lebensmittel-Einkaufsgemeinschaft) werden. Als Beispiele seien die Speis oder das Bioparadeis in Wien genannt. Ebenso können wir die Nutzung des öffentlichen Raumes hinterfragen: Benötigen wir wirklich so viele Parkplätze und ein überteuertes Café neben dem anderen? Eine Alternative stellen sogenannte konsumfreie Räume dar. Die Schenke im achten Bezirk bietet beispielsweise mehrmals wöchentlich sowohl eine Volxküche(1) auf freiwilliger Spendenbasis als auch einen Umsonstladen, wo neue oder gebrauchte Waren kostenlos zur Verfügung stehen. Weitere Beispiele für konsumfreie Räume – hier in Verbindung mit Bildung und Kunst – sind die offenen Bücherregale in der Zieglergasse und am Brunnenmarkt. Dort herrscht das Prinzip von Geben und Nehmen. Es können Bücher abgegeben und entnommen werden, ohne dass Geldströme fließen würden.

Entzieht man uns schleichend unsere Rechte?

Für all jene, die noch nie darüber nachgedacht haben, wie Microsoft unseren Alltag bestimmt, ist folgendes Zitat von Brigitte Kratzwald(2) interessant: „Microsoft bestimmt, welche Filme wir sehen, welche Programme wir verwenden dürfen. Wer die Software kontrolliert, kontrolliert das Wissen und das Gedächtnis einer Gesellschaft.“ Als Alternative gelten Programme mit einer „General Public Licence“, wie zum Beispiel Linux.

Solche und ähnliche Fragen können wir ewig weiter spinnen. Warum wird Kunst immer mehr zu einer Angelegenheit fürs Museum? Weshalb wird Street-Art illegalisiert? Es scheint, als wolle man uns an unseren Rechten hindern und sie uns schleichend entziehen. Darum ist es wichtig, dass wir uns gemeinsam für unsere Anliegen und unser „Recht auf Stadt“ stark machen.

 

(1) „Volksküche“ bedeutet laut Wikipedia: ein ein- bis mehrmals wöchentlich stattfindendes, regelmäßiges Gruppenkochen, bei dem das Essen zum Selbstkostenpreis oder sogar darunter ausgegeben wird.

(2) Brigitte Kratzwald studierte Sozialwissenschaften und ist als Aktivistin für Attac Österreich tätig (Homepage von Brigitte Kratzwald).

 

 

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Wem gehört die Welt? Commons für ein gutes Leben

Creative Commons: Freie Verbreitung Grüner Inhalte!

Die „Recht auf Stadt“-Initiative in Deutschland


 

Einige Tipps und Links für ein „alternatives Wien“.

Food Coops:

•    Bioparadeis, Bäckenbrünnlgasse 9, 1180 Wien

•    Speis, Pfeilgasse 33, 1080 Wien

Hausprojekt, Eichenstraße 9, 1120 Wien

 
Konsumfreie Räume:

•    EKH

•    Gaga:rin

•    I:DA

•    Kaleidoskop

•    Schenke

•    Tüwi

Kostnixläden:

•    Pfeilgasse 33, 1080 Wien

•    Zentagasse 26, 1050 Wien

•    Am Schöpfwerk 29, 1120 Wien

Kultur:

•    Amerlinghaus, Stiftgasse 8, 1070 Wien

•    Brunnenpassage, Brunnengasse 71/Yppenplatz, 1160 Wien

•    Sargfabrik, Goldschlagstraße 169, 1140 Wien

•    WUK, Währinger Straße 59, 1090 Wien

Rund ums Rad:

•    WUK-Fahrradwerkstatt, Währinger Straße 59, 1090 Wien

•    Bikekitchen, Goldschlaggasse 8, 1150 Wien

•    Critical Mass, jeden 3. Freitag im Monat am Schwarzenbergplatz, 1030 Wien

 

Lina Brändli studiert Internationale Entwicklung in Wien.

 


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