Zu Beginn des Nachmittags sprach die Vorsitzende der IGS, Birgit Meinhard-Schiebel, von den Unterschieden der Generation Ehrenamt im Vergleich zur Generation Praktikum. Ersterer würden eher ältere Menschen angehören, während zur zweiten Gruppe StudentInnen und/oder frische UniversitätsabsolventInnen zu zählen sind. Eines haben die zwei „Generationen“ allerdings gemeinsam: man muss sich das unbezahlte Arbeiten erst einmal leisten können. Dies sei auch der Grund, warum eher Menschen mit höherer Bildung und höherem Einkommen vermehrt ehrenamtliche Arbeit leisten. Ein Problem sei auch, dass zu Beginn einer ehrenamtlichen Tätigkeit zu wenig über Ausstiegsmöglichkeiten informiert werde, sodass oft davon ausgegangen wird, eine lebenslange Verpflichtung einzugehen.
Bezahlung: kein Anreiz für soziales Engagement
Meinhard-Schiebel kritisiert vor allem das Fehlen von Strukturen in den Organisationen und plädiert für mehr Überlegungen auf politischer Ebene. Ergänzt durch das Fehlen eines gesellschaftlichen Diskurses zu dem Thema, stimmte Martin Oberbauer vom Wiener Hilfswerk den Erläuterungen seiner Vorrednerin absolut zu. Er stellt das Netzwerk SEVEN vor. Dabei handelt es sich um ein internationales, von der Europäischen Kommission gefördertes Netzwerk, das die Förderung des Austausches von SeniorInnen zum Ziel hat. Dem Netzwerk gehören insgesamt 29 Organisation an - darunter NGOs, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Oberbauer ist zudem Mitbegründer der Wiener Plattform für Freiwilligenarbeit, das zum Austausch unter den KoordinatorInnen von Freiwilligenarbeit gegründet worden ist. Zu den 23 Mitgliedern zählen vor allem soziale Einrichtungen wie das Rote Kreuz oder die Caritas, aber auch NGOs wie Global 2000. Die Internetplattform ‚Ehrenamtsbörse Wien‘ bietet darüber hinaus die Möglichkeit, sich zwischen den AnbieterInnen und LeisterInnen ehrenamtlicher Arbeit auszutauschen und bietet Informationen über AuftragspartnerInnen, Aufgaben und auch über die Ausstiegsmöglichkeiten aus der Freiwilligenarbeit. Der Verein umfasst zurzeit 140 Organisationen aus ganz Wien.
Martin Oberbauer erzählte des Weiteren, dass sich laut des Freiwilligenberichts 2009 etwa 28 % der ÖsterreicherInnen ehrenamtlich engagieren. Er überraschte einige mit der Aussage, dass die Aussicht auf Bezahlung keinen Anreiz für soziales Engagement bieten würde, man müsse vielmehr „den Freiwilligen andere Anreize bieten, um sie zu gewinnen.“ Für Daniela Musiol müsse klar sein, dass die Freiwilligenarbeit nicht die Arbeit des Staates ersetzen dürfe. Sie hebt den Unterschied zwischen Frauen und Männern hervor, denn gerade für Frauen sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine besondere Herausforderung, die ihnen kaum die Möglichkeit ließe, darüber hinaus ehrenamtlich tätig zu sein. Sie warnte auch vor den Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen - gerade im sozialen Bereich wären die Gehälter sowieso tendenziell niedriger. Hier könnte sich der Faktor der ehrenamtlichen Arbeit noch zusätzlich negativ auswirken.
„Warum tut man sich so etwas an, wenn man nicht muss?“
In der Diskussionsrunde erzählten die Teilnehmerinnen von ihren persönlichen Erfahrungen. Eine Anwesende bezeichnete das Feld der ehrenamtlichen Arbeit als „Demokratiespielwiese“, auf ihr könne man den Umgang mit Problemen erlernen. Sie hätte jedoch leider keine guten Erfahrungen gemacht, gerade hinsichtlich der Organisation und Struktur in der Freiwilligenarbeit. Diese Erzählungen verleitete Daniela Musiol zur Aussage: „Warum tut man sich so etwas an, wenn man gar nicht muss?" Jedoch erfahren wir an diesem Nachmittag auch noch anhand einer anderen Geschichte, wie wunderbar alles funktionieren kann, wenn die Voraussetzungen stimmen. In der Einrichtung, in der eine der Anwesenden ein paar Stunden pro Woche ehrenamtliche Arbeit leistet, wurde sie liebevoll aufgenommen und die jüngeren KollegInnen wissen ihre Erfahrung zu schätzen.
Alle Anwesenden waren sich einig, dass die Weiterbildung ein absolutes Muss sei, jedoch auch, dass ehrenamtliche Arbeit immer einen Eigennutz hat. Nicht nur, dass etwas Gutes für das Allgemeinwohl getan wird, gerade SeniorInnen würden aufgrund der Tätigkeit unter Menschen kommen und sich gebraucht fühlen.





