Grüne Bildungswerkstatt Wien

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Texte - Migration & Integration / 25.06.2010 / Daniela Gradinger

Islamophobie in Österreich

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Der Sammelband “Islamophobie in Österreich” (2009), herausgegeben von Farid Hafez und John Bunzl, war Anlass für die gleichnamige Podiumsdiskussion am 14. Juni im Parlament. ExpertInnen unterschiedlicher Bereiche analysierten Gründe für die zunehmende Islamophobie und Akzeptanz islamfeindlicher Aussagen in Österreich sowie mögliche Gegenstrategien und Zukunftsvisionen.


Das Phänomen Islamophobie

Fritz Kofler, Vorstandsmitglied der Grünen Bildungswerkstatt Wien, moderierte die Diskussion und gab einleitend eine Begriffserklärung für „Islamophobie“: Damit sei eine Feindschaft gegenüber dem Islam als Religion zu verstehen, aber auch eine Ablehnung der arabisch-islamischen Welt und der in Österreich relativ starken Zuwanderung aus der Türkei.

 

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 (c) fatihöztürk

 

Wesentliche Elemente der Islamophobie sind die Diskriminierung in unterschiedlichen Lebensbereichen, etwa in der Arbeit, im Gesundheitswesen oder in der Bildung, sowie der bewusste Ausschluss von politischer Teilhabe. Islamophobe Ansichten und Äußerungen seien bestimmt durch Vorurteile und Pauschalisierungen, die sich im Alltag finden und von Politik und Medien transportiert und verstärkt werden.

 

Dass in Österreich ein Anstieg von Islamophobie zu verzeichnen ist, verdeutlichte Fritz Kofler anhand einer Studie des Meinungsforschungsinstituts IMAS von April diesen Jahres: Demnach seien über 70 % der Befragten der Meinung, dass sich MuslimInnen in Österreich zu wenig anpassen würden, während 54 % den Islam als Bedrohung für den Westen und die westliche Lebensweise sehen.

 

Den einen Islam gibt es nicht

Farid Hafez, Politikwissenschaftler und Lektor an der Universität Wien, wies wiederholt auf die vielfältigen Strömungen und Ansichten innerhalb des Islams hin. So wie jede Religion und Gesellschaft ist auch der Islam pluralistisch und in sich heterogen. Ein wesentliches Problem der Darstellung und Wahrnehmung des Islams in Österreich sei die Reduktion auf einige wenige Merkmale durch Medien und Politik.

 

Hafez.jpg Farid Hafez, Mitherausgeber des Sammelbandes "Islamophobie in Österreich";

(c) fatihöztürk

 

Ein Ziel des Sammelbandes war demnach die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Islamophobie und die Beleuchtung unterschiedlicher Perspektiven, um dem einheitlich vermittelten Bild entgegen zu wirken.

 

Wie islamophobe Ansichten in der Praxis aussehen, demonstrierte Alev Korun, Grüne Nationalratsabgeordnete und Sprecherin für Integration, Migration und Menschrechte, anhand anonymer E-Mails, welche sie fast täglich bekomme: Aussagen wie „wir sind nicht ausländerfeindlich oder rassistisch, aber diese Türken…“ oder „integrationsunwillig, laut und respektieren unsere Kultur nicht“ zeigen eine Klassifizierung in „Wir“ und „die Anderen“ sowie die Vereinheitlichung in homogene Gruppen mit Zuschreibung von bestimmten Eigenschaften. Alev Korun sieht das größte Problem in der fiktiven Trennung von ÖsterreicherInnen und MuslimInnen, die Stereotypen schafft und die vielen muslimischen ÖsterreicherInnen ausblendet.
 

Die Rolle der Medien

Die Politikwissenschaftlerin Barbara Jäger beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit der österreichischen Medienberichterstattung zum Thema Islam. Eine Analyse der Rolle und Macht der Medien sei von Bedeutung, da der mediale Diskurs einen wesentlichen Teil des gesamtgesellschaftlichen Diskurses darstelle.

 

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(c) fatihöztürk

 

In der Berichterstattung werden laut Jäger meist zwei homogene Gruppen konstruiert: Die westliche Gesellschaft auf der einen Seite, der Islam auf der anderen – die innere Vielfalt auf beiden Seiten wird ausgeblendet. MuslimInnen und der Islam werden mit negativen Attributen besetzt wie der Bedrohung für den Westen, Terrorismus, Gewalt und Rückständigkeit. Gründe sieht Barbara Jäger hier im generellen Phänomen, dass negative und sensationelle Nachrichten leichter in die Medien gelangen. Aber auch die Auflagenstärke der Kronen Zeitung, die eine wesentliche Komponente bei der Meinungsbildung vieler ÖsterreicherInnen spielt, sieht sie als problematisch. Eine Vielfalt an Meinungen sei deswegen nicht gegeben, weil es keine Vielfalt an Medien gebe.

 

Diese Ansicht teilte auch Barbara Liegl, Geschäftsführerin des Vereins ZARA - Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit. Neben der Beratung und Unterstützung für Opfer von rassistischen Vorfällen und Diskriminierung beobachtet ZARA auch die Medienberichterstattung. Rassistische Berichte in Medien werden im jährlich publizierten Rassismus-Report dokumentiert.

 

Gegenstrategien und Zukunftsvisionen – Vielfalt ermöglichen

Die Zukunft betreffend, waren sich alle DiskutantInnen einig: Um der steigenden Islamophobie in Österreich entgegen wirken zu können, müsse eine vielfältige Darstellung von Islam und MuslimInnen in Politik, Medien und Alltag ermöglicht werden.

 

Barbara Jäger plädierte für die Beendigung der Schwarz-Weiß-Darstellung von MuslimInnen und ÖsterreicherInnen in der Medienberichterstattung und eine vielfältigere Medienlandschaft. Außerdem erfordere eine breitere Darstellung von MuslimInnen ihre Einbeziehung in Mainstream-Medien als fixer Teil des Redaktionsteams.

 

Weiters forderte Alev Korun eine offene Debatte zwischen MuslimInnen und Nicht-MuslimInnen, aber auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaften. Wünschenswert sei auch die Beendigung des Opfer-Täter-Schemas: Demnach werden MuslimInnen entweder als unterdrückte Opfer, etwa die Frau mit Kopftuch, dargestellt oder als gewalttätige Täter. Die zahlreichen Möglichkeiten dazwischen werden ausgeblendet.

 

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Alev Korun - Grüne Nationalratsabgeordnete und Sprecherin für Integration, Migration und Menschenrechte; (c) fatihöztürk

 

Die Aufklärung der Gesellschaft und eine breitere Art der Medienberichterstattung allein sei jedoch nicht ausreichend, ergänzte Rüdiger Lohlker, Islamwissenschaftler und Professor für Orientalistik an der Universität Wien. Zudem müsse sich die Politik mehr den sozialen Fragen muslimischer Minderheiten in Europa widmen.

 

Zukunftsvisionen betreffend gab Farid Hafez abschließend die Frage mit auf den Weg: „Wann wird es möglich sein, dass die ZIB 2 von einer jungen Dame mit Kopftuch moderiert wird und diese Dame nicht primär als Muslimin gesehen wird, sondern als ein selbstverständlicher Teil der österreichischen Gesellschaft?“