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Wir verändern das Klima. Klima verändert die Welt

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Wie Mobilität das Klima beeinflussen kann, wussten die TeilnehmerInnen des Symposiums EuroEnviro schon. Dass der Klimawandel aber auch auf unsere Mobilität und die gesamte Ökonomie zurückwirkt, ließ die StudentInnen im Hörsaal der Universität für Bodenkultur aufhorchen. Am 2. Tag der europaweiten Veranstaltung zu Umwelt in Wien erläuterte Prof.in Helga Kromp-Kolb die Zusammenhänge zwischen Mobilität, erhöhtem CO2-Ausstoß und politischem wie individuellem Handlungsbedarf.

Simone Tumfart | 11.06.2010

Die anerkannte Klimaforscherin benannte vorerst die faktische Grundlage des heutigen Klimawandels. 14 Prozent der weltweiten Treibhauseffekte entstehen durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe, die der Mobilitätssektor benötigt. Die Energie- und Industriesektoren tragen ihr weiteres dazu dabei, sodass insgesamt 4,1 Gigatonnen Kohlendioxid pro Jahr (IPCC 2007) in die Atmosphäre entlassen werden. Da aber Mobilität und Transport immerzu wachsen, sind die CO2 Emissionen überdimensional angestiegen. Die Folge war ein Temperaturanstieg - mit regionaler Abhängigkeit - von mindestens 0,8 Grad Celsius in den letzten 50 Jahren.

 

Die Konsequenzen des menschlichen Handelns

Dieser Trend des industriellen Zeitalters endet jedoch nicht hier, sondern lässt weitere Zunahmen der Treibhausgase erwarten. Es entstanden sich selbst verstärkende Wechselwirkungen, die schwierig zu bremsen sind. So hat sich jenes arktische Eis, das nur im Winter besteht, stark vermehrt. Das zusätzlich entstandene Meerwasser reflektiert die Sonnenstrahlen nicht wie das Dauereis (das auch im Sommer über besteht), sondern nimmt sie auf, was zur weiteren Erwärmung und weiterem Schmelzen des arktischen Eises führt. Prof.in Kromp-Kolb bezeichnet solche Teufelskreise als ’positive feedback loops’, die uns die Auswirkungen unseres Handelns alarmierend vor Augen führen. Wenn wir unsere Lebensweise in dieser Form fortführen, dürfen wir als ’worst-case’-Szenario mit 4,1 Grad Erderwärmung im Jahre 2100 rechnen.

 

Wir sind es, die die Konsequenzen dieser Entwicklung tragen müssen. Die extremen Wettervorkommnisse wie Orkane, Hagel, Steinbrüche und Murenabgänge häufen sich, was direkte Einflüsse auf unsere Transportmöglichkeiten hat. Auch Meeresströmungen, Biodiversität und saisonale Klimaerscheinungen wie Monsune verändern sich, was sich auf Anbaumöglichkeiten und somit die Land- und Forstwirtschaft auswirkt. Nicht nur ökonomisch kommt es zu Veränderungen, auch  Lebensvoraussetzungen wie Unterkunft und Versorgung sind gefährdet.

 

Die Ziele

ExpertInnen sprechen von höchstens 2 Grad Temperaturanstieg, die die Weltbevölkerung zulassen kann, um die positiven “feedback loops” zu verhindern. Deshalb sind besonders die Industriestaaten angehalten, ihre aktuellen CO2-Emissionen um 90 Prozent auf insgesamt 10 Prozent zu reduzieren. Jedoch auch die Entwicklungsländer müssen ihren Ausstoß an Treibhausgasen um 50 Prozent verringern. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, wurde im Kyotoprotokoll eine Verminderung von 5 Prozent pro Jahr innerhalb der nächsten 20 Jahren vereinbart. Der absolute Höchststand, an dem eine Kehrtwende notwendig ist, sei genau genommen heute erreicht, fügt die Professorin hinzu. Ein ironisches Schmunzeln geht durch den Hörsaal. Vielleicht sind die Berechnungen auf 2015 auszudehnen,„aber 2020 ist es definitiv zu spät!“, ergänzt die Vortragende. Faktisch bedeutet dies nicht mehr als 750 Gt CO2-Ausstoß, was derzeit wiederum 2,7 Tonnen Kohlendioxid pro Person und Jahr entspricht. In Österreich beträgt der Ausstoß derzeit pro Person und Jahr 9-10 t.

 

Nichtsdestotroz hat die Wissenschaftlerin auch Lösungsvorschläge parat: Es gilt die Nachfrage nach emissionsstarken Gütern zu verringern (z.B. Fleisch), die Sparsamkeit im Energiehaushalt zu erhöhen, Rodungen zu stoppen um Emissionseffekte zu vermindern und zu kohlendioxidarmen Technologien zu wechseln. Hier kann vor allem die Klimapolitik eingreifen, indem sie etwa Preise für Emissionen festsetzt, wie die sogenannten Emissionszertifikate, die es in Europa gibt. Schließlich kann die Besteuerung von fossilem Brennstoffverbrauch Anreize schaffen, weniger zu konsumieren. Jene, die mehr verbrauchen, zahlen mehr, jedoch jedeR bekommt den gleichen Anteil der Steuereinnahmen zurück. Diese Methode kann einen sozialen Umverteilungseffekt haben, indem jene, die sich keine energiesparenden Geräte oder Häuser leisten können, mit z.B. 20 Prozent ihres Anspruches energietechnisch gefördert werden.

 

Wann, wenn nicht jetzt?

Vor allem der exponentielle Anstieg im Produktions- und Konsumwesen müsste die Politik auffordern einzuschreiten. Bereits 1972 wies der Club of Rome auf die Grenzen dieser Entwicklung hin, die zu einem Zusammenbruch des ökologischen Systems führen würden. Von dieser Entwicklung sind wir bisher nicht abgewichen, wie Prof.in Kromp-Kolb versicherte. Nicht nur der Klimawandel könnte dann eine Bedrohung werden. So wird “grünes Wasser”, das Land- und Forstwirtschaft benötigen und durch Pflanzen unwiederbringlich verdunstet wird, bei steigender Population 2050 um etwa 35 Prozent zu wenig vorhanden sein. Und Mobilität hat auf Kontinenten wir Afrika und Südamerika großes Potential sich auszuweiten, jedoch: „wir bräuchten drei Planeten, um den Lebensstandard, den wir hier [im Hörsaal] haben, für alle zu ermöglichen.”

 

Schließlich warnt die Professorin davor, sich darauf zu verlassen, der technologische Fortschritt könnte diese Entwicklung ausgleichen. Nein, auch das Bevölkerungswachstum und der Lebensstil der Menschen müssten sich ändern. Daraus folgt jedoch nicht, dass wir auf Lebensqualität verzichten, wenn wir unsere Lebensweise aufgeben. Wir müssten uns jedoch dem ökologischen System anpassen. Prof.in Kromp-Kolb erklärt Werte wie das “ökonomische Wachstum” für obsolet. Dieses können wir uns nicht mehr leisten. Sie appelliert, nicht darauf zu warten, dass wirtschaftliche Führungspersonen eine Veränderung einleiteten, sondern selbst zu handeln. Die persönliche Verantwortung sei gefordert sowie die Notwendigkeit Druck auf Regierungen auszuüben, um vom fossilen Energie-Zeitalter in ein Zeitalter der Nachhaltigkeit und Gleichheit überzutreten.

 

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