© Grüne Bildungswerkstatt Wien - A-1070 Wien, Neubaugasse 8 | Öffnungszeiten: Mo-Do: 9:00-14:00 Uhr

Radeln - nicht nur für die Gesundheit

article_618_fotolia_306428_xs_120.jpg

Dr. Klaus Renoldner ist mit dem Klapprad aus Neupölla, Niederösterreich, zu seinem Vortrag gekommen. Für ihn gibt es keinen Grund auf dieses Transportmittel zu verzichten. Wenn er weitere Wegstrecken zurücklegen muss, packt er es kurzerhand in den Zug. Im Rahmen des internationalen Symposiums EuroEnviro 2010 (13.5. bis 15.5.) in Wien erklärte der Mediziner, warum es für die Umwelt und für uns besser ist, unsere Lebensweise radikal zu ändern.

Simone Tumfart | 09.06.2010

Unser Lebensstil hatte schon 1987 zu großer Besorgnis geführt, sodass im Brundtland Report dazu aufgerufen wurde, von nun an die weltweiten Ressourcen nachhaltiger zu nutzen. Nur so könnten die Bedürfnisse unserer wie auch nachfolgender Generation gestillt werden. Dass diese Lebensweise insbesondere auf Kosten der Entwicklungsländer ginge, müsse uns ebenso bewusst sein, betont der Vortragende. Einerseits stellten sie die Ressourcen zur Verfügung, die der Westen für den Konsum benötigt. Andererseits litten sie besonders unter den Folgen des Klimawandels, den der Verbrauch eines Großteils dieser Ressourcen hervorruft.

 

Auf Kosten der Entwicklungsländer

So wird die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes vorangetrieben, um das Holz zu verkaufen und die gerodeten Flächen für den Anbau von Soja oder Rohrzucker als Agrosprit verwertbar zu machen. BewohnerInnen dieses Lebensraumes müssen sich neue Wohnstätten suchen. Doch besonders die Wälder würden zur Aufnahme der CO2-Emissionen und damit zur Verminderung der Auswirkungen des Klimawandels benötigt. Immerhin 20 % des CO2-Anstiegs werden darauf zurückgeführt. 80 % sind der Verbrennung von fossilen Energieträgern beizumessen.

 

Die Lebensweise der wohlhabenden Länder, insbesondere ihre Mobilität, trägt überproportional zum globalen Anstieg des CO2-Ausstoßes und damit zur globalen Erwärmung bei. Extreme Wettererscheinungen und Klimakatastrophen wie Stürme oder Überschwemmungen treten auf und können in weiterer Folge Hungersnöte hervorrufen. Das Anwachsen der Sahara führt z.B. zu großen Migrationsströmen, da die Versorgungsbasis durch die Ausbreitung der Wüste verschwindet.

 

Wie der Klimawandel die Gesundheit beeinflusst

Aber auch aufgrund der schlechten gesundheitlichen Versorgung sind die Menschen in Entwicklungsländern im Nachteil, wie Klaus Renoldner erläutert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) benennt zehn Faktoren, welche die direkten Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Gesundheit beschreiben:

 

  1. Durch den Anstieg der CO2-Emissionen - diese sind zu 30 % seit der industriellen Revolution angestiegen - und die daraus folgende Erderwärmung haben sich Krankheitsbilder verändert und die Zahl der Hitzetoten ist angestiegen.
  2. Naturkatastrophen haben zugenommen und weltweit zu 600 000 Toten geführt. 95 % davon sind den Entwicklungsländern zuzurechnen.
  3. Starke Temperaturschwankungen führen zum Tod durch Herz- und Atemwegserkrankungen.
  4. Luftpartikel treten stärker oder in veränderter Form auf, was die Gefahr von Asthma erhöht.
  5. Das Ansteigen des Meeresspiegel führt zu Überflutung von Küstengebieten und entlang von großen Flüssen.
  6. Ungleichmäßige Niederschläge können Trinkwasserquellen verunreinigen, was sich auf die Hygiene und Gesundheit auswirkt.
  7. Aufgrund von Wassermangel im Versorgungsgebiet lagern Familien Wasser zuhause, was die Gefahr der Infizierung des Wassers erhöht.
  8. Klimabedingte Krankheiten wie Diarrhö oder Malaria sind die häufigsten Todesursachen weltweit.
  9. Die schlechte Ernährung trägt indirekt zur Anfälligkeit für Krankheiten bei. Ernteverluste, die durch den Klimawandel häufiger werden könnten, verschärfen diese Situation.
  10. Aktive Maßnahmen um öffentliche Verkehrsmittel, Fahrradfahren oder Spazieren zu fördern, können helfen Treibhausgase zu verringern und die Sterberate zu senken.
    1.  

Warum unsere Lebensweise verändern?

In Österreich macht allein der Autoverkehr 28 % des gesamten Treibhausgasverbrauchs aus. Aber auch die Produktion der Autos benötigt fossile Brennstoffe. Nicht zu vergessen ist der Flugverkehr, der weltweit stetig zunimmt. Auch wenn Mobilität immer wichtiger wird, dürfe diese Entwicklung so nicht weitergehen, versucht Dr. Renoldner den HörerInnen bewusst zu machen. Denn wir leben weit über unseren Verhältnissen – genau genommen sind es 8,9 Tonnen CO2, die eine Person durchschnittlich im Jahr produziert.

 

Dazu tragen unser täglicher Konsum, unsere Ernährung, der Verbrauch im Haushalt und eben der Transport bei. FleischesserInnen produzieren etwa indirekt viel größere Mengen an CO2 als VegetarierInnen. Es gilt also unser eigenes Verhalten zu ändern, um unseren Planten zu retten.

 

Der Vortragende erklärt, er wolle bei sich selbst anfangen und bevorzuge nun in jeder Lebenssituation das Fahrrad. Es sei denn, er müsse dringend zu einem Patienten/einer Patientin. Dann müsse er wohl oder übel das Hybridauto nehmen. Doch allein der Umstieg auf die Bahn würde den CO2-Ausstoß stark verringern. Sie benötigt im Vergleich zum Auto durchschnittlich 228 weniger Kohlendioxid pro Kilometer und Person. Das Rad hat aber den zusätzlichen Bonus, die Gesundheit zu fördern.

 

Warum Fahrradfahren?

Radfahren hilft in erster Linie der eigenen Gesundheit. Es fördert das kardiovaskuläre System und die Lunge sowie das metabolische System. Es stärkt Muskeln, Gelenke und den Knochenaufbau. Ebenso wirkt es sich positiv auf Nervensystem, Immunität und das allgemeine Abwehrsystem aus. Aber auch für die Mitmenschen ist Radfahren gesund. Weil keine Treibhausgase ausgestoßen werden, sinkt das allgemeine Gesundheitsrisiko aufgrund sauberer Luftpartikel.

 

Und obwohl es unter Umständen ungemütlich und aufwendig sein kann, spricht sich Renoldner dafür aus, diese Herausforderungen anzunehmen. Im Falle von Regen oder einer Gepäckbeförderung können Maßnahmen getroffen werden, die gut geplant werden müssten. Dies zu lernen, bedürfe eben auch einer Umstellung in der Lebensweise. Doch glücklicherweise gibt es für alle
Transportbedürfnisse auch bereits die entsprechende Erfindung. Lasten- und Elektroräder sowie Leichtfahrzeuge für Menschen, die keinen Wind mögen.

 

Keine Ausreden!

Um den Vorteil des Rades gegenüber Autos aufzuzeigen, geht der Arzt von einer Wegstrecke von 10 000 km pro Jahr aus. Die Fahrt mit dem Fahrrad bedarf zwar einer Stunde am Tag mehr als mit dem Auto, dafür spart man 3 000 Euro und 2 1/2 Tonnen CO2. Der tägliche Sport erspart die Autofahrt zum Fitnesscenter, wofür insgesamt genauso viel Zeit benötigt wird.

 

Nach all den überzeugenden Argumenten sind die BesucherInnen der EuroEnviro aber skeptisch, wie viele Menschen tatsächlich den Schritt wagen, ihr Leben umzustellen. Wie es der Vortragende selbst geschafft hätte, lautet daher eine Frage aus dem Publikum. Das Wichtigste sei natürlich die Motivation. Er sei schon immer viel mit dem Rad gefahren, hatte aber immer gute Ausreden parat, nicht komplett umzusteigen. Doch irgendwann versuchte er es und stellte fest, dass es nicht so schwer sei. Vor allem benötige man eine gute Logistik, dann gäbe es auch keine Ausreden mehr.

 

weitere Artikel zum EuroEnviro Symposium

Referenzen:

Serien: EuroEnviro
Thema: Ökologie

Aktuelle Termine

13.03.2012 | Ökonomisierung der Sorgearbeit – fürsorgliche Praxis. Konflikte um nachhaltige Gesellschaftsentwicklung

alle Termine »


Aktionswoche gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus

Ein Nachdenken über die heutige Situation ist bitter notwendig: Das zeigen nicht nur das Massaker von Norwegen und der rechtsextreme Terrorismus in Deutschland, sondern auch der dramatische Anstieg rechtsextremer Aktivitäten in Österreich. Allein im vergangenen Jahr sind in Österreich mehr als 1.000 Anzeigen wegen rechtsextremer Straftaten registriert worden. Diese Entwicklung ist alarmierend. Informationen zu Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus finden sie hier: www.jetztzeichensetzen.at

erinnern_web175px.jpg

Programm Herbst 2011

GBWWien_Herbst2011_start.jpg

Ein gutes Leben für alle!

article_670_guteslebenfueralle_175.png

Datenbank politischer Lieder

RoseNoten_175_2.jpg