Grüne Bildungswerkstatt Wien

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Texte - Demokratie - Solidarität / 19.04.2010 / Magdalena Heuwieser

Im Schatten des Tafelberges...

article_594_mountain-postkarte_0_120.jpg …liegt Kapstadt, eine Stadt großer Unterschiede zwischen Arm und Reich, gefangen zwischen Auswirkungen der vergangenen Apartheid und der aktuellen kapitalistischen Postmoderne. Am Sonntag, den 11. April, war in Wien die Premiere des Dokumentarfilms „Im Schatten des Tafelberges“, der die Probleme der Armut in Südafrika seit der neoliberalen Umstrukturierung und aktuell im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2010 kritisch beleuchtet. Im Anschluss gab es eine Diskussion mit den ProduzentInnen und zwei der HauptprotagonistInnen des Films.

Das Leben in den Townships

„Im Schatten des Tafelberges – When the mountain meets its shadow“ erzählt aus der Sicht von verschiedenen Schicksalen die Lebenssituation in den Armenvierteln (Townships) Kapstadts.

 

„Wo ich lebe“, so lautet die Hausaufgabe, die ein kleiner Junge nach der Schule erledigen muss. Er wohnt zusammen mit seiner Mutter, die auf Arbeitssuche ist, und seiner Schwester in einem Township Kapstadts. Und so beginnt er zu schreiben: „Reiche und arme Leute leben in Hout Bay… Auf dem Schulweg fürchte ich mich immer sehr vor den bellenden Wachhunden hinter den hohen Stacheldrahtzäunen der Reichen.“

 

In solch einer eingezäunten Villensiedlung (Gated Community) arbeitet der 18-jährige Arnold als Wachmann und macht nebenbei eine Ausbildung zum bewaffneten Sicherheitsbeamten, um größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Denn in Südafrika liegt die Arbeitslosenrate bei über 40 %.

 

Und wie ein Leitmotiv durchziehen den Film die Fußball spielenden Kinder. Im Sommer 2010 wird die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika zu Gast sein. Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren. Die Armenviertel am Rande der Straße, die zum Flughafen führt, müssen umgesiedelt werden. Schließlich soll den sportbegeisterten BesucherInnen, die von Fußball- zu Fußballstadion reisen, die vorherrschende Armut verborgen bleiben.

 

Widerstand gegen Ungleichheiten

Die Vertriebenen der Armenviertel aber wehren sich, machen ein Straßenfest, besetzen Häuser und reichen Klage gegen die gewaltsamen Umsiedlungen ein. Unterstützt werden sie von der „Anti-Eviction Campaign“, bei der sich Ashraf Cassiem und Mncedisi (Mne) Twalo engagieren. Die „Kampagne gegen Zwangsräumungen“ entstand 1999, drei Jahre nach dem Beginn neoliberaler Strukturprogramme, und richtet sich gegen die Privatisierung von Sozialleistungen, Wohnbau, Bildung, Gesundheit, Wasser und Strom. Ashraf und Mne führen beispielsweise Kurse durch, in denen sie BewohnerInnen der Townships zeigen, wie sie gesperrte Wasseranschlüsse manipulieren können, um die für sie unbezahlbaren Kosten für Wasser zu umgehen: „It’s not legal – but it’s a workshop!“, meint Ashraf in dem Film.

 

Doch trotz der schweren Schicksale der im Film vorgestellten Charaktere ist es vor allem die Lebensfreude, der Humor und der kreative Kampfgeist der ProtagonistInnen, der den KinobesucherInnen im Gedächtnis bleiben wird.

 

Filmpremiere in Wien

„Im Schatten des Tafelberges“ wurde am 11. April im Audimax der TU Wien vorgeführt, veranstaltet von der GBW Wien, den Grünen Alternativen und der Zeitschrift Grundrisse. Im Anschluss an den Film durften sich die ca. 100 BesucherInnen über eine Diskussion mit den ProduzentInnen der deutschen DOK-WERK Filmkooperative und zwei Protagonisten freuen. Regisseur und Kameramann Alexander Kleider, Regisseurin Daniela Michel, Romin Khan, der für Recherche und Ton verantwortlich war, sowie die südafrikanischen Protagonisten Ashraf Cassiem und Mne Twalo der Anti-Eviction Campaign, die gerade für einen Monat zusammen auf Tournee durch Deutschland, die Schweiz, Österreich und Norwegen sind, stellten sich den interessanten Fragen des Publikums.

 

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Mne Twalo und Ashraf Cassiem der Anti-Eviction Campaign sind die Hauptprotagonisten des Dokumentarfilms  (Bild: Heuwieser)

Zwischen damals und heute

Nach 14 Jahren Demokratie und 20 Jahren seit Ende der Apartheid habe sich die Situation in Südafrika für viele nicht verändert, „sie wurde sogar noch schlimmer“, antwortete Ashraf auf eine Frage nach dem Unterschied zwischen den Lebensumständen während der Apartheid und jetzt. Selbst wenn heute nicht mehr explizit zwischen Weiß und Schwarz unterschieden würde, so sei es nun die Trennung zwischen Reich und Arm. Mit der neoliberalen Umstrukturierung begann das Outsourcen von Sozialleistungen an Privatfirmen, die Lebensbedingungen verschärften sich. Wasser wurde für viele unbezahlbar, Schulbücher mussten selbst gekauft werden, der privatisierte Wohnungsbau führte zu verteuerten Wohnpreisen und Zwangsräumungen. Die Anti-Eviction Campaign, die 1999 entstand und die es inzwischen in über 24 Gemeinden Kapstadts und in anderen Regionen Südafrikas gibt, kämpft mit kreativen Aktionen dagegen an und will aktuell für die Probleme, die im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft auftreten, sensibilisieren. Auch das Organisieren einer „Poor Peoples World Cup“ ist geplant.

 

Amandla Awetho

„Und was können wir von hier aus tun?“, so die Frage einer weiteren Besucherin. Viel, meinte Ashraf, denn kleine Aktionen in Europa brächten sogar mehr als große Aktionen in Südafrika. Von Europa aus werden die Regierungen Afrikas manipuliert, die Unternehmen hier steuern die Wirtschaft Südafrikas. „Wir wollen kein Mitleid, das hatten wir die letzten Jahrzehnte! Nur Aktion ändert Dinge, Worte reichen nicht!“ Die BesucherInnen der WM in Südafrika könnten beispielsweise unter dem Fußballtrikot ihrer Mannschaft ein weiteres T-Shirt tragen, auf dem steht „Wo sind die Armen?“ Denn diese hätten keinen Platz im Stadion, sie könnten sich die teuren Tickets nicht leisten. Kreative Aktionen auch in Europa und gemeinsamer Widerstand sind gefragt. „Amandla Awetho – Power to the people!“, so lautete der abschließende Kampfspruch, der vom Publikum begeistert wiederholt wurde.

 

Aktion in Österreich

Dem Aufruf folgten einige Personen nach Ende der Veranstaltung, Pläne wurden geschmiedet für eine Aktion in Wien zu Beginn der WM und E-Mail-Adressen gesammelt. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an SouthAfrica-Vienna[ät]gmx.at.

 

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