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Freie Software oder Wenn die Logik des Wettbewerbs versagt

article_581_weihnachtspinguin_120.jpg Die Gesellschaft kann von der Open Source-Gemeinschaft lernen. Sie kooperiert anstatt miteinander zu konkurrieren und erhöht so den Nutzen aller. Friedrich Kofler, Obmann der UBIT in der Wirtschaftskammer-Wien, zeigte in seinem zweiten Workshop "Open Source politisch: Was ist grün an LINUX?" am 17.02.2010 auf, dass Freie Software politisch ist und der österreichische Staat hier Handlungsbedarf hat. 

Simone Tumfart | 04.03.2010

Der Trend, das Gemeingut “Wissen” zu privatisieren, um dadurch Profite zu schöpfen, lässt sich auch in der Computerbranche nachvollziehen. Denn Software ist “geronnenes Wissen”, das den Computer für unterschiedlichste Zwecke nutzbar macht. Während dieses Gemeingut für alle frei zugänglich ist, gemeinschaftlich entwickelt wird und die NutzerInnen die Arbeit der/des anderen wertschätzen, ist die “proprietäre Software” im Gegensatz dazu nicht für alle nutzbar. Unternehmen betrachten sie als privates Eigentum, vereinnahmen das Wissen mit Hilfe von Patenten und verkaufen es zu Marktbedingungen. Demgegenüber unterscheidet sich die “Open Source Software” (OSS). Diese Computerprogramme legen ihre Quelltexte frei und sind frei verfügbar, sodass andere NutzerInnen sie weiterentwickeln können.

 

Kooperation vs. Wettbewerb

Durch die Zusammenarbeit vieler Menschen, die ihre jeweiligen Fähigkeiten einfließen lassen, wird die Software verbessert. Alle ziehen einen größeren Nutzen aus dem neuen Produkt. Daraus entstehe, wie Kofler meint, eine “Kultur der Anerkennung” gegenüber den Mitwirkenden. Dies steht im krassen Gegensatz zur wirtschaftsliberalen Annahme, Wettbewerb sei die effizienteste Weise ein Produkt zu entwickeln. Der Nutzen eines proprietären Gutes erschließt sich erst im Preis, zu dem es auf dem Markt verkauft wird. Die besonderen Eigenschaften von Software können IT-Unternehmen im Wettbewerb jedoch große Vorteile verschaffen, wie Kofler weiter erklärt.

 

Funktionen von Software

Als “Erfahrungsgut” erweist sich erst mit der Zeit, wie vielfältig das Produkt in seiner Anwendung ist. Gleichzeitig nützt es sich nicht ab - es altert nicht. Was sich nun für die IT-Firma besonders vorteilhaft gestaltet, sind “Netzwerkeffekte”. Wenn viele Personen mit demselben Programm arbeiten, wird der Austausch von Dateien erleichtert, die mit diesem erstellt wurden. Aus diesem Grund wiederum verbreiten sich eben häufig verwendete Programme. In Verbindung mit Software als Erfahrungsgut verstärkt sich dieser Effekt und es wird für die AnwenderInnen immer schwieriger andere Softwareprodukte einzusetzen. In ähnlicher Weise wirkt sich die “Pfadabhängigkeit” eines Produkts aus. Es bedarf einer bestimmten Umgebung, in der Softwaresysteme genutzt werden können. Wird der Umstieg auf ein neues System gewagt, fallen meist Kosten an - sog. “Switching Costs” - wenn etwa Angestellte umgeschult werden müssen. Eine weitere Abhängigkeit kann durch den Effekt des “Vendor lock in” entstehen, indem HerstellerInnen beispielsweise zusätzliche Features in ein Programm einbauen, die den Umstieg auf ein anderes Programm erschweren. Diese Hürden binden NutzerInnen an eineN AnbieterIn und sichern den HerstellerInnen gleichzeitig ihre Position am Markt. Zusätzlich sorgen die niedrigen Reproduktionkosten von immateriellen Produkten für steigende Gewinne bei den führenden Unternehmen.

 

Wirtschaftspolitische Folgen

Diese Skaleneffekte ermöglichen den HerstellerInnen eine Monopolsbildung, durch die die NutzerInnen in ihrer Auswahl beschränkt werden. Die Aneignung von Wissen durch Firmen hemmt die wirtschaftliche Innovation (vgl. Artikel "Wissen ist beliebig oft teilbar"). Während sich die proprietären Produkte in den Bildungsbereich gedrängt haben, womit der Staat den Unternehmen in die Hände arbeitet, verarmt das lokalen “Know-how”. Durch “sprunghafte Wechsel” auf neue Softwareversionen sind die Veränderungen nicht mehr nachvollziehbar, wodurch das Wissen in den Unternehmen konzentriert bleibt.

 

Kofler spricht sich gegen diese Vorgehensweise aus und sieht in der Nutzung von Open Source Software Chancen für eine gerechtere politische Praxis. OSS entwickelt sich in Zusammenarbeit vieler und gibt das produzierte Wissen weiter - “es ist beliebig oft teilbar”. Damit bietet sie höhere Sicherheit in ihrer Anwendung, da der offene Zugang für Kontrolle sorgt. Zudem findet eine Weiterentwicklung kontinuierlich statt, die jedeR nachvollziehen kann. Die Ausbildung ist breiter ausgerichtet und folgt dem Bedarf. Da sich jedeR in die Entwicklung einbringen kann, profitieren lokale Einheiten stärker.

 

Steigerung des gesamtgesellschaftlichen Nutzens?

Die Praxis von OSS ist nicht nur für die IT-Branche bereichernd. So stellt sich die Frage, was die Gesellschaft daraus lernen kann. Die OSS-Praxis fördert etwa Wissen als Gemeingut, wodurch Innovationen frei gesetzt werden können. Die NutzerInnen-Gemeinschaft hält sich an Standards, damit die Interoperabilität (wechselseitige Nutzung) gegeben ist. Eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung entsteht. Während der Wettbewerb in der Softwareproduktion Monopole entstehen lässt und eine faire Preisbildung verhindert, steht das OSS-Modell als Alternative offen zur Verfügung. Es könnte sich für individuelle NutzerInnen lohnen umzudenken. Auch der Staat wäre aus dieser Sicht gut beraten, der Logik des Wettbewerbs entgegenzutreten.

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