„Where have all the flowers gone?“
Etwa so groß wie Deutschland ist Simbabwe und lange Zeit gehörte das afrikanische Land zu den bedeutendsten Blumenexporteuren. Bis im Jahr 2000 Präsident Mugabe eine Landreform einleitete, die eigentlich eine gerechtere Landverteilung zum Ziel hatte. Resultate waren jedoch gewaltsame Enteignungen von weißen LandbesitzerInnen, verlassene Betriebe und die zahlenmäßige Abnahme der LandarbeiterInnen von 13 000 auf 4000. Etwa 60 Blumenfarmen gibt es zur Zeit noch in Simbabwe, der Großteil produziert für den Export. Aufgrund des heißen Klimas, der Monokulturen und der langen Transportwege werden meist hochgiftige gesundheitsschädliche Pestizide eingesetzt. Für eine Verbesserung dieser gesundheitsgefährdenden und prekären Arbeitsbedingungen auf den Blumenfarmen setzen sich die zwei Frauen aus Simbabwe ein.
Emma Mahlunge und Spiwe Chigwande wurden von der internationalen Menschenrechtsorganisation für das Recht sich zu ernähren FIAN nach Österreich eingeladen. Gemeinsam mit der Grünen Bildungswerkstatt Wien GBW, der Volkshilfe, dem Südwind Salzburg und EZA-Fairer Handel Ges.m.b.H. veranstaltete FIAN den Diskussionsabend. Nach einer kurzen Einführung durch Sabine Stelczenmayr von der GBW und Sophie Veßel von FIAN Österreich lauschten die schätzungsweise 40 BesucherInnen den Berichten der zwei Referentinnen aus Simbabwe.

Foto: Magdalena Heuwieser
Kunzwana Women´s Association
Emma Mahlunge ist Direktorin der Kunzwana Women´s Association (KWA). Vor 15 Jahren gründete sie diese Organisation zusammen mit drei anderen Frauen, um sich für bessere Arbeitsbedingungen, angemessene Unterkünfte und Bildungseinrichtungen für Arbeiterinnen und deren Kinder einzusetzen. Des Weiteren macht KWA mit Bewusstseinsbildung auf die HIV/Aids-Problematik aufmerksam und engagiert sich für Landlose und ausländische ArbeiterInnen, die aus den Nachbarstaaten kommen und aufgrund fehlender Papiere keinen Anspruch auf Leistungen im Bildungs- und Gesundheitssektor haben. Durch Gespräche mit den BetriebsbesitzerInnen, Lobbying und durch die Zusammenarbeit mit anderen Nichtregierungsorganisationen im Dachverband NANGO (National Association of Non-Governmental Organizations) konnte KWA einige Erfolge erzielen. Mit gender-sensiblen Trainings wird versucht, Frauen über ihre Rechte aufzuklären und sie auszubilden, um ihnen bessere Einkommensquellen, größere Unabhängigkeit und das Erlangen des gleichen Status wie Männern zu ermöglichen. Aufgrund der problematischen Nahrungsmittelsituation wird beispielsweise das Entstehen kleiner Bio-Landbau-Betriebe gefördert, wo Familien Nahrungsmittel für den eigenen Haushalt und für den lokalen Markt herstellen können.
Die Arbeit auf den Blumenplantagen – keine blumige Angelegenheit
Die zweite Referentin ist selbst Angestellte auf einer Plantage. Seit 27 Jahren arbeitet Spiwe Chigwande auf der Maronda Forest Lodge, die Schnittblumen für den lokalen Markt produziert. Mit einigen Fotos stellte sie die Arbeits- und Wohnsituation auf der Blumenfarm anschaulich dar. Acht Stunden pro Tag wird dort gearbeitet und manchmal gibt es gratis Medikamente und 20 kg Maismehl pro Monat. Spiwe Chigwande erzählte aber auch von prekären Arbeitsbedingungen, dem Fehlen von Schutzbekleidung trotz Chemikalieneinsatz, von den dürftigen Behausungen und Sanitäreinrichtungen, der schlechten Ernährungssituation durch niedrige Löhne, insbesondere für Frauen, sowie dem Mangel an Trinkwasser aufgrund häufiger Stromausfälle. Die Wege zu Gesundheitszentren und den dürftig ausgestatteten Schulen sind sehr lang, weswegen viele Kinder nur die Grundschule besuchen. Auch die Reste einer verlassenen Farm sind auf einem der Fotos zu sehen – Resultat der Enteignungen durch Mugabe.
Das Flower Label Program
FIAN unterstützt als österreichische Trägerorganisation des Flower Label Program (FLP) die Kuzwana Women´s Association und setzt sich dafür ein, dass die Schnittblumenbetriebe einen „Internationalen Verhaltenskodex“ unterzeichnen, der eine sozial- und umweltgerechte Blumenproduktion garantiert. Zertifizierte Betriebe verpflichten sich dazu, bestimmte Standards einzuhalten, wie etwa Gewerkschaftsfreiheit, angemessene Löhne, Gesundheits-, Umwelt- und Mutterschutz und das Verbot von Diskriminierung und Kinder- und Zwangsarbeit. Derzeit befindet sich noch keiner der weltweit rund 60 FLP-zertifizierten Betriebe in Simbabwe. ...vielleicht jedoch bald?
Eine einfache und effektive Art der Unterstützung der ArbeiterInnen auf Blumenfarmen ist, beim Einkauf nach fair gehandelten Blumen zu fragen. Eine Liste von HändlerInnen, die Schnittblumen des FLP vertreiben, findet sich auf den Webseiten www.fian.at und www.fairflowers.at. Mit dieser Empfehlung kam die Diskussion zu ihrem Ende, die BesucherInnen machten sich auf zu den angebotenen handgemachten Textilien aus Simbabwe oder in Richtung Buffet, um mit den Simbabwerinnen weiter zu plaudern.
“Florierende Geschäfte” werden mit Blumenplantagen in Simbabwe gemacht. „