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(Un)Sichtbare Prekäre

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Bericht des 3-tägigen Workshops und der Podiumsdiskussion mit dem Titel "(Un)Sichtbare Prekäre. Migrantische Subjektivität und Selbstorganisation von MigrantInnen innerhalb des europäischen Grenzregimes" am 21., 28. und 29. Jänner 2010 zu kritischer Migrationsforschung und antirassistischer Praxis.

Martin Birkner | 19.02.2010

Beim transdisziplinären Workshop am Graduiertenzentrum der Fakultät für Sozialwissenschaften – unterstützt von der Grünen Bildungswerkstatt Wien – versammelten sich DoktorandInnen, kritische MigrationsforscherInnen, AktivistInnen und ExpertInnen verschiedener Disziplinen. Es sollten sowohl ExpertInnen-Inputs diskutiert als auch laufende oder am Beginn stehende Forschungs- bzw. Dissertationsvorhaben vorgestellt und diskutiert werden. Sowohl inhaltlich als auch formal sollte dabei auch der Aspekt des Aktivismus und der Selbstorganisation von MigrantInnen nicht zu kurz kommen. Vlatka Frketic sprach am ersten Tag aus diskursanalytischer Sicht über die sprachliche Dimension von Rassismen, aber auch über Praktiken und Probleme migrantischer Selbstorganisation sowie zur nun endlich stärker sichtbar werdenden queer-feministischen Dimension migrantischer Bewegungen. Die Problematik des Integrationsbegriffs wurde ebenso diskutiert wie die Zusammenhänge von ideologischen Figuren und der gesellschaftlichen Arbeitsteilung.

Migrantische Widerstandsbewegungen in Italien

Sandro Mezzadra, Aktivist und Politikwissenschaftler aus Bologna, referierte am zweiten Tag die von ihm mitentwickelte Theorie der „Autonomie der Migration“, zeichnete des Weiteren aber auch die vielfältigen Schwierigkeiten bei der Weiterentwicklung dieses Ansatzes auf, nicht zuletzt die Gefahr einer Romantisierung von Migrationsbewegungen. Außerdem wurde der enge Zusammenhang zwischen der aktuellen globalen Krise des Kapitalismus und dem zunehmend stärker werdenden Rassismus thematisiert. Darüber hinaus wurde „Il tempo delle Arance“ gescreent und diskutiert, ein aktueller und überaus sehenswerter Dokumentarfilm eines antirassistischen Kollektivs aus Neapel, welches sich anlässlich der Pogrome gegen afrikanische Landarbeiter im süditalienischen Rosarno und zum Widerstand dagegen bildete. Am Abend des zweiten Tages diskutierten AktivistInnen und ForscherInnen sowie Teilnehmende des Workshops in der besetzten Aula der Akademie der bildenden Künste über die aktuelle Konjunktur des Rassismus sowie über mögliche Gegenstrategien – vor dem Hintergrund der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Italien und Österreich.

Selbstorganisation migrantischer Gruppen

Am dritten Tag schließlich zeichnete Ljubomir Bratić in seinem Input die Geschichte der Arbeitsmigration nach Österreich sowie auch jene der migrantischen Selbstorganisation nach. In der gemeinsamen Diskussion wurde auch die Rolle der österreichischen Parteien und vor allem des ÖGB diskutiert, außerdem die vielfältigen Formen migrantischer Organisationen in Kultur-, Sport- und politischen Vereinen. An allen drei Tagen stellten ForscherInnen und DoktorandInnen ihre Arbeiten bzw. Projekte vor, die dann gemeinsam mit den eingeladenen ExpertInnen diskutiert wurden. Außerdem diente der Workshop der Vernetzung kritischer ForscherInnen und AktivistInnen aus verschiedenen Bereichen und Disziplinen; es wurde auch ein Wiki eingerichtet, das in weiterer Folge zu einem Ressourcenpool in Sachen kritischer Migrationsforschung ausgebaut werden soll. An einer Fortsetzung im Herbst wird bereits gearbeitet.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sowohl der Workshop als auch die Podiumsdiskussion ein Schritt zur Schärfung eines kritischen Profils der Migrationsforschung waren, aber auch wichtige Aspekte der internationalen Diskussion und Vernetzung mit sich brachten.

 

Der Autor war gemeinsam mit Stephanie Weiss Organisator des Workshops, arbeitet an einer Dissertation über Zeit-, Arbeits- und Politikverhältnisse im Postfordismus, ist Redakteur der grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte und politischer Aktivist, meist in Wien.

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