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Auschwitz - ein Ort des Gedenkens

article_570_dsc01569(small)_120.jpg Das Konzentrationslager Auschwitz im polnischen Ort Oświęcim ist ein Symbol für die Gräueltaten und Vernichtungsmaschinerie der Nazis - aber heute ist es vor allem ein Ort des Gedenkens.

Angela Brandl | 15.02.2010

Die Ansprüche an Auschwitz sind schwierig und mitunter widersprüchlich: vom „bedeutungsvollen Ort“, dem „größten Friedhof der Welt“, „Gedenkort“ bis hin zur „touristischen Attraktion“ und „Museum“ reicht das Spektrum an Assoziationen, die im Rahmen der Veranstaltung „Politische Bildung oder ‚Gedenkstätten-Tourismus’“ - initiiert von der Grünen Bildungswerkstatt Wien in Kooperation mit der ÖH Uni Wien und dem Verein Gedenkdienst - diskutiert wurden.

 

„Ich werd' trotzdem den Strache wählen“

Zu Beginn des Abends stellt uns Peter Larndorfer, Studienfahrten-Betreuer beim Verein Gedenkdienst seit 2002, das Konzept der Gedenkfahrten mit SchülerInnen vor. Der Verein führt jährlich Studienfahrten nach Auschwitz und zu anderen Gedenkstätten durch. Auf der mehrtägigen Reise begleiten die MitarbeiterInnen zumeist Schulklassen durch die Gedenkstätte, die durch einen Stadtbesuch in Krakau abgerundet werden. Larndorfer erzählt, wie überrascht er immer wieder von den Aussagen der mitreisenden SchülerInnen ist. „Ich werd' trotzdem den Strache wählen“, zitiert er eine etwa 17-jährige Schülerin. Dabei erstaunt ihn nicht die Aussage an sich, sondern vielmehr, dass die Schülerin hier einen Zusammenhang zwischen der Zeit des Nationalsozialismus und der heutigen politischen Lage in Österreich sieht. Im Gespräch über die Erwartungen und Ziele der Studienfahrten spricht Larndorfer vor allem über die hohen Erwartungen, welche die Mitreisenden an sich selbst und den Ort stellen, aber auch über die emotionale Anstrengung.

 

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Stacheldrahtzäune umgeben das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau (Foto: Angela Brandl)

 

Larndorfer schildert weiter, wie verblüffend er manchmal die Reaktion der Mitreisenden findet. So berichten SchülerInnen oft vom schlechten Gewissen, wenn sie Auschwitz als nicht so schlimm beurteilen. Schließlich befinden sich hier nicht die Bilder der ausgemergelten Körper, die die BesucherInnen aus Filmen kennen. Auch wurden während dieses Abends viele Fragen aufgeworfen: Was erwartet man in/von Auschwitz? Was wird von sich selbst erwartet? Müssen wir es wirklich gesehen haben, um es glauben und begreifen zu können? Die Motive, Auschwitz zu besuchen, sind vielfältig. Der Umgang mit Schulklassen, die dazu gezwungen werden, sei oftmals schwierig. Erwachsene seien oft verschlossener, da sie meinen schon alles über Auschwitz zu wissen. Abschließend berichtet er von einer Zeitzeugin, die als Kind in Auschwitz war. Bis heute kann sie nicht verstehen, wie es zu diesen schrecklichen Taten kam, wenn sie sagt „jedes Mal, wenn ich hierher komme, verstehe ich es ein bisschen weniger.“


Vorbereitung für eine Gedenkfahrt

Im zweiten Teil berichten zwei Studierende der Universität Wien von einer Studienfahrt nach Auschwitz, die 2008 erstmals von der Österreichischen HochschülerInnschaft organisiert wurde. Hervorzuheben ist hier die Vorbereitung durch den Besuch des Jüdischen Museums in Wien und die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte, Literatur und Film. Im Rahmen der Vorbereitung für die Gedenkfahrt fanden auch Gespräche mit ZeitzeugInnen statt. Abgeschlossen wurde das Programm erst zwei Wochen nach der Gedenkreise in Form einer Nachbesprechung.

 

Angesprochen wird zudem der Vorfall mit SchülerInnen des Gymnasiums Albertgasse. Während einer Studienfahrt wurden einige der SchülerInnen wegen provokanten Aussagen frühzeitig nachhause geschickt. Der Vorfall ereignete sich Ende April 2009 bei einer Holocaust-Gedenkreise, die vom Verein MoRaH (March of Remembrance and Hope - Austria) veranstaltet wurde. Ein Mitarbeiter des Vereins, der an diesem Abend anwesend ist, kritisiert vor allem, dass die Lehrerinnen der Albertgasse nicht am Vorbereitungsworkshop teilgenommen haben und deshalb mit der Situation nicht umgehen konnten. Seit diesem Vorfall ist der Workshop verpflichtend.

 


Die Studienfahren sollen – hier waren sich alle einig - die Möglichkeit für die eigenständige Auseinandersetzung mit dem Thema Shoa bieten. Auch sei es nicht sinnvoll, „Verhaltensregeln“, weder für SchülerInnen noch für Erwachsenes, aufzustellen, denn es gibt kein richtiges Verhalten an diesem Ort - aber sehr wohl ein Falsches.


 

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