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Bildung fängt im Kindergarten an

article_541_kindergart_120.jpg Im Rahmen des Kindergartengipfels am 12. Oktober 2009 wurde im Workshop „Kindergarten als Bildungseinrichtung ernst nehmen!“ gemeinsam mit Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, über die heutigen Herausforderungen und zukünftigen Entwicklungen in Kindergärten diskutiert.

Daniela Gradinger | 30.10.2009

Die Umkehrung der Ressourcenpyramide

Zu Beginn stellte Harald Walser das neue Bildungsprogramm der Grünen vor, das die Wichtigkeit von Kindergärten betont und eine „Umkehrung der Ressourcenpyramide“ fordert. Momentan sei diese so aufgebaut, dass sich „unten“, also in Kindergärten und Volksschulen, Pädagoginnen und Pädagogen mit der schlechtesten Bezahlung, der kürzesten Ausbildungszeit und dem geringsten Ansehen befinden, während mit steigender Ausbildungsstufe auch alle anderen Faktoren ansteigen würden.

Diese Abstufungen seien jedoch nicht einzusehen, so Walser. KindergärtnerInnen leisten bereits im Kindergarten einen wesentlichen Teil der Bildungsarbeit und sind mit wachsenden Anforderungen konfrontiert, die jenen von Pädagogen und Pädagoginnen in höheren Schulen um nichts nachstehen. Wie eine Umkehrung dieser Pyramide erreicht werden könnte, ließ Harald Walser in weiterer Folge die TeilnehmerInnen des Workshops diskutieren.

Veränderung der Rahmenbedingungen

Die ersten Wortmeldungen der TeilnehmerInnen, mehrheitlich selbst als Kindergartenpädagogen und –pädagoginnen tätig, zeigten die herrschende Unzufriedenheit und Frustration über die gegebenen Arbeitsbedingungen. Die BetreuerInnen arbeiten mit zu großen Gruppen, wodurch die Umsetzung jeglicher Projekte - sei es zur Sprachförderung oder Integration - unmöglich wird. Viele KindergärtnerInnen fühlen sich zudem allein gelassen und überfordert. Der Anspruch an die eigene Person, gute Arbeit zu leisten, und die gegebenen Rahmenbedingungen stehen dabei in extremem Widerspruch zueinander. Der Ruf nach kleineren Gruppen mit besser ausgebildeten KindergärtnerInnen war demnach die zentrale Forderung.
Zudem wurde der Wunsch nach Teamsitzungen, Supervision und eingeplanter Vor- und Nachbereitungszeit geäußert. Es sei nicht ausreichend, die bloße Betreuungszeit als Arbeitsstunden zu rechnen. Auch Fortbildungen sollten bezahlt und nicht in der Freizeit absolvieren werden.

Bedarf es einer Männerquote?

Mit einem Anteil von weniger als einem Prozent männlicher Kindergartenpädagogen liegt Österreich weit unter dem EU-Durchschnitt von etwa fünf Prozent. Gründe, warum Männer den Beruf als Kindergärtner (fast) nicht wahrnehmen, gibt es zahlreiche: unverhältnismäßige Bezahlung, geringe berufliche Anerkennung und das in der Gesellschaft weiterhin verankerte Bild von so genannten „Männer- und Frauenberufen“.
Da es spezielle Förderungen für Frauen in technischen Berufen gibt, stellt sich die Frage, warum Männer in Sozialbereichen nicht auch gefördert werden sollten. „Wenn es Frauenquoten gibt, warum dann nicht auch Männerquoten?“, stellte eine Teilnehmerin in den Raum. Auch wenn die Meinungen über die Sinnhaftigkeit einer Männerquote im Kindergarten geteilt waren, so waren sich doch alle Anwesenden darin einig, dass mehr männliche Kindergartenpädagogen wünschenswert wären: Einerseits würde dadurch das Ansehen des Berufes in der Öffentlichkeit steigen, andererseits hätten die Kinder mehr männliche Bezugspersonen.

Aufwertung der Ausbildung

Bei Kindern bis zu sechs Jahren ist die Lernfähigkeit wesentlich höher, als in allen darauffolgenden Lebensjahren. Daher ist es die logische Schlussfolgerung, dass Kinder in dieser Phase die bestmögliche und qualitativ hochwertigste Bildung erhalten sollten. Diese könne jedoch nur dann gewährleistet werden, wenn KindergärtnerInnen selbst eine Ausbildung haben, die diesen Anforderungen gerecht wird.
Um den wachsenden Herausforderungen, besonders in sozialer und sprachlicher Hinsicht, gerecht zu werden, wäre eine entsprechende Ausbildung auf Hochschulniveau notwendig, so Walser. Trotzdem sei die bisherige Ausbildung der BAKIP (Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik) nicht abzuwerten, hielt eine Teilnehmerin entgegen. Das Wissen werde gut vermittelt, sei aber durch die schlechten Rahmenbedingungen nicht umsetzbar. Die BAKIP sollte auch in Zukunft als Schule tätig sein, ergänzte Harald Walser, aber als „Zubringer“ für die Hochschule.

Forderung nach Politischer Bildung

Die momentanen Arbeitsbedingungen in Kindergärten seien untragbar, meldete sich eine jüngere Teilnehmerin zu Wort. Viele KindergärterInnen wechseln nach nur einem Jahr in andere Berufssparten oder entschließen sich für eine weitere Ausbildung. Dabei existieren zahlreiche Gesetze, die Arbeitszeit oder Gehalt regeln. Viele Kindergärten sind beispielsweise ohne Betriebsrat, obwohl dieser ab fünf Personen gesetzlich erlaubt ist. Oft fehlen einfach nur das Wissen darüber und das eigene politische Bewusstsein.
Im momentanen Unterrichtsplan ist keine Form von politischer Bildung vorgesehen. Unabhängig davon, ob die Ausbildung auf Maturaniveau bleibt oder auf Hochschulniveau angehoben wird, sind politische Bildung und Informationen über die eigenen Rechte unabdingbar. Obgleich sich zahlreiche Kindergartenpädagogen und –pädagoginnen über ihre Situation beklagen, findet nach wie vor zu wenig Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit statt. Viele Eltern wissen über die prekären Arbeitverhältnisse der BetreuerInnen nicht Bescheid und auch in den Medien ist die Problematik zu wenig präsent.
Demonstrationen, Vernetzungstreffen und Workshops wie dieser sind der erste notwendige Schritt in die richtige Richtung, um Kindergärten als Bildungseinrichtungen aufzuwerten und den KindergärtnerInnen jene Anerkennung zu geben, die sie verdienen.

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