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Texte - Politische Bildung / 30.10.2009 / Kathrin Jurkat

Kindergärten zwischen Ressourcenmangel und Integrationsbemühungen

article_540_kinder_120.jpg Der Workshop „Kindergärten als Ort der Integration“ mit Alev Korun, Nationalratsabgeordnete und Integrationssprecherin der Grünen, lockte viele interessierte TeilnehmerInnen zum ersten österreichischen Kindergartengipfel. Die Integration von Kindergartenkindern durch den Abbau sprachlicher Hürden, stand im Blickpunkt der Diskussion von Eltern und KindergartenpädagogInnen.

„Mehrsprachigkeit ist kein Randproblem mehr“

44,2 Prozent der Kinder in Wien haben nicht Deutsch als Muttersprache und ca. 60 Prozent haben ein oder zwei Elternteile, die nicht in Österreich geboren sind oder nicht die österreichische StaatsbürgerInnenschaft besitzen. Mehrsprachigkeit ist demnach ein Bestandteil unserer Gesellschaft und keine Randerscheinung mehr, wie Korun betont. Trotzdem stellt sie für viele KindergartenpädagogInnen eine tagtägliche Herausforderung dar, die zu ohnehin schwierigen Rahmenbedingungen und fehlenden Ressourcen erschwerend hinzukommt.

„Mein Sohn war der einzige mit deutscher Muttersprache in seiner Kindergruppe“, erzählte eine Mutter. Abhängig von ihrem Standort, dem Bezirk oder ihrem Status als staatliche oder private Einrichtung weisen Kindergärten einen unterschiedlich hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund auf. So wurde von einer Gruppe berichtet, die zehn unterschiedliche Muttersprachen unter einem Dach vereint. Andere hingegen haben eine hohe muttersprachliche Dominanz der beiden größten MigrantInnengruppen; Türkisch bzw. Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. Räumliche Siedlungskonzentrationen von MigrantInnen, hauptsächlich hervorgerufen durch die Wiener Wohnpolitik, spiegeln sich auch in der Zusammensetzung der Kindergärten wider.

Für das Erlernen der deutschen Sprache sei aber eine muttersprachig „zusammengewürfelte“ Gruppe wesentlich vorteilhafter als eine sprachlich nahezu homogene, nicht deutschsprachige Klasse, berichtete eine Kindergärtnerin. So werde Deutsch in einer heterogenen Gruppe als einzige Kommunikationssprache verwendet, während Kinder in sprachlich homogenen Gruppen eher auf die Muttersprache ausweichen.

Zweisprachige KindergartenpädagogInnen (un)erwünscht?

Die Frage, wieso das Potenzial zweisprachiger Personen für die Wiener Kindergärten nicht oder zu wenig genutzt wird, rief in der Diskussionsrunde Ratlosigkeit hervor. In anderen Berufsfeldern wurde bereits versucht, Menschen mit migrantischem Hintergrund zu integrieren, wie eine Kampagne der Wiener Polizei zeigt. Einer der Gründe, warum das bei den Kindergärten bis jetzt nicht realisiert wurde, liegt vermutlich darin, so der Tenor der Diskussionsrunde, dass die pädagogische Ausbildung aus den Herkunftsländern der MigrantInnen meist nicht anerkannt werde.

 

Auch in den Kindergärten selbst werden mehrsprachige KindergärtnerInnen von ihren KollegInnen oftmals mit Misstrauen und Neid betrachtet. „Wer weiß, was sie mit den Kinder oder Eltern sprechen?“, so die Reaktion einiger KindergartenpädagogInnen. Diese Zweifel zu beseitigen, erfordert in einer multilingualen Zusammenarbeit Vertrauen, gegenseitige Hilfe und Zeit - Zeit für eine bessere Koordination innerhalb des Teams und im Gespräch mit den Eltern. Aufgrund mangelnder Ressourcen und der gegebenen Rahmenbedingungen ist diese Zeit jedoch auf lediglich vier Stunden wöchentlich beschränkt.

Fehlende Mittel – schwierige Rahmenbedingungen

Die Einführung eines verpflichtenden Kindergartenjahrs würde zwar die Deutschkompetenz der Kinder mit migrantischem Hintergrund fördern, trotzdem ist der Zeitraum für den Spracherwerb zu kurz, erklärten die KindergärtnerInnen. Das Erlernen der deutschen Sprache erfordere mindestens drei Jahre.

Darüber hinaus fehlen die notwendigen Fördermittel für den Spracherwerb, wie das Beispiel eines privaten Kindergartens zeigt. Obwohl fast alle Kinder Migrationshintergrund haben, werden dem Kindergarten von der Stadt Wien keine Gelder bereitgestellt, da nicht genügend finanzielle Mittel vorhanden sind. Die KindergartenpädagogInnen seien durch den Mangel an geschultem Personal und zeitlichen Ressourcen überfordert. Die Folge: Einige Kinder wechseln mit unzureichenden Deutschkenntnissen in die Schule.

Welche ist die ‚richtige’ Sprache?

Darüber hinaus wurde eine Anerkennung der Muttersprache innerhalb der Kindergärten von den TeilnehmerInnen des Workshops gefordert. Sprachen haben in unserer Gesellschaft unterschiedliche Stellenwerte. So sind Sprachen von Personen mit Migrationshintergrund oftmals nicht oder nur wenig akzeptiert und werden nicht in den Kindergarten integriert.

Einige PädagogInnen fordern weiterhin, dass Eltern im Alltag mit ihren Kindern Deutsch sprechen, da dies zu einem schnelleren Erlernen der Sprache führen soll. Zu hinterfragen bleibt jedoch, ob die eingeschränkten Deutschkenntnisse der Eltern zu einem besseren Lernerfolg der Kinder beitragen können. Denn es besteht die Gefahr, dass sie später weder die deutsche, noch die Sprache ihrer Eltern fehlerfrei beherrschen. Wie bereits in zahlreichen Studien bestätigt wurde, ist eine gute Beherrschung der Muttersprache aber eine notwendige Vorraussetzung, um eine weitere Sprache zu erlernen.

Der Kindergarten als Ort der Integration - ein Fazit

Kinder mit migrantischem Hintergrund bereits im Kindergarten zu fördern, könnte ein erster Schritt hin zu einer geglückten Integration sein. Diese scheitert jedoch oft an den Rahmenbedingungen. Knappe finanzielle Mittel, beschränkte Zeitressourcen und fehlendes Personal erschweren Integrationsbestrebungen. Auch der Abbau von Misstrauen gegenüber den Sprachen der größten MigrantInnengruppen sowie die Anerkennung der Muttersprachen im Kindergarten bedürfen weiterer Bemühungen. Obwohl Migration und Mehrsprachigkeit bereits wesentliche Bestandteil unserer Gesellschaft sind, werden von politischer Seite nur unzureichende Maßnahmen gesetzt, um den Kindergarten zu einem Ort der Integration zu machen.

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