Aufschrei in den Kindergärten
Die Zustände in österreichischen Kindergärten sowie die Situation der dort beschäftigten PädagogInnen und AssistentInnen sind in den vergangenen Monaten zunehmend in den Blick der Öffentlichkeit geraten. Die Gründung neuer Initiativen wie des Kollektivs „Kindergartenaufstand“ sowie die Reorganisation bereits bestehender Basisstrukturen schufen Bedingungen für einen wachsenden Druck. Während diese Mobilisierung hauptsächlich von der Basis der KindergärtnerInnen selbst ausging, fand sie bei der Mehrheit der österreichischen Gewerkschaften nur sehr zögerlichen Rückhalt.
Gewerkschaftliches „Kuscheln“ mit EntscheidungsträgerInnen?
Um die Situation in Kindergärten zu verändern, bedarf es einer möglichst breiten Unterstützung, wobei Gewerkschaften hier eine wichtige unterstützende Funktion einnehmen können. Dies wurde im Vorfeld des Workshops durch einen Blick nach Deutschland illustriert, wo die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di eine zentrale Rolle in den Kämpfen der dortigen KindergärtnerInnen einnimmt.Wie die Mehrheitsfraktionen des Österreichischen Gewerkschaftsbundes zu einem solchen gemeinsames Vorgehen stehen, stellte Christian Meidlinger, Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG) und SPÖ-Gemeinderat in Wien, sehr schnell klar. „Es gibt nur eine Gewerkschaft in Österreich, den ÖGB“, versuchte er den von ihm unterstützten Weg zu rechtfertigen und betonte etwas später: „Kindergartenaufstand streikt und geht auf die Straße? Nein, das unterstützen wir nicht, wir suchen den Verhandlungsweg.“
„Zwei Herren zu dienen, ist sicher nicht leicht“
PädagogInnen, AssistentInnen und Eltern äußerten in der Diskussionsrunde zahlreiche Kritikpunkte an den Gewerkschaften. Im Gegensatz zu VertreterInnen der Minderheitsfraktionen, die durchaus zu strategischen Diskussion bereit waren, hätten sich jene der Mehrheitsfraktionen nicht an den offenen Bündnistreffen beteiligt. Zudem kümmere sich die Gewerkschaft zu wenig darum, vor Ort mit den Leuten zu kommunizieren und für grundlegende Rechte einzustehen, so die Kritik. In einigen Kindergärten sei es beispielsweise untersagt worden, für Aktionen zu mobilisieren, Flugblätter zu verteilen, Plakate aufzuhängen oder mit den Eltern über die Proteste zu reden. Im Gegensatz zu ver.di seien die Gewerkschaften in Österreich vor allem an Prinzipien des Co-Managements orientiert. Ein Beispiel dafür sei auch Meidlingers Spagatstellung zwischen seiner Funktion als Vorsitzender der GdG und jener als Gemeinderat.„Und wie unterstützt ihr uns dann?“
„Ich verstehe nicht“, so eine Wortmeldung, „warum die Gewerkschaft nicht spätestens dann auf den fahrenden Zug aufspringt, wenn eine Bewegung entsteht. Wenn sie schon nicht selber die Initiative übernimmt“. Anstatt eine gemeinsame Strategien zu erarbeiten, würden durch gewerkschaftliche Fraktionskämpfe auch die in Kindergärten Beschäftigten untereinander ausgespielt werden. Tiefe Gräben zwischen den Fraktionen zeigten sich auch in den Schlussworten der drei eingeladenen GewerkschaftsvertreterInnen. Christian Meidlinger zeigte sich unbewegt von der Kritik, die sich hauptsächlich an ihn richtete: „Ja, die Gewerkschaften haben das Problem, vor Ort präsent zu sein, sie hat sich aber genügend bemüht, auf die Leute zuzugehen“. Dagegen betonte Martina Petzl-Bastecky, stellvertretende Vorsitzende der Personal-Vertretung der Wiener Kindergärten von der KIV, dass die Diskussionen die Notwendigkeit aufgezeigt haben, sich von Seiten der Gewerkschaften mit den Menschen und ihren Klagen ernsthaft auseinanderzusetzen. Überrascht, aber auch erfreut, zeigten sich schließlich viele Anwesende als Reinhard Bödenauer von der GPA die volle Unterstützung seiner Gewerkschaft für die Demonstration „SOS Kindergarten – Aktion Aufschrei“ ankündigte.Eine andere Gewerkschaft organisieren
Von einem Personalvertreter der KIV aus dem Bereich Jugendarbeit wurden solidarische Grüßen an den Aufstand der KindergärtnerInnen übermittelt und daran erinnert, dass Gewerkschaften nicht auf Appelle oder Bittgesuche reagieren würden, sondern lediglich auf Druck. Ebenso merkte er an, dass die einzige Lösung darin bestünde, eine andere Gewerkschaft zu organisieren, eine „wie wir sie uns vorstellen“. Dass hierfür aber Ressourcen notwendig sind, die selbst wieder eine Frage von Machtkämpfen sind, zeigte eine ungelöste Kontroverse, mit der die Veranstaltung ausklang.
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