Den Gründen auf der Spur
Die Bildungssituation der Eltern hat großen Einfluss auf die schulischen und beruflichen Chancen ihrer Kinder. So ist die nachfolgende Generation jener Hilfs- und GastarbeiterInnen, die Österreich vor 40 Jahren angeworben hat, oft benachteiligt, da viele Eltern selbst keine gute Grundausbildung aufweisen. Das österreichische Bildungssystem trägt seinen Teil dazu bei, indem es Rahmenbedingungen schafft, die Kinder aus sozial schwächeren Schichten vielfach benachteiligen. Vielen SchülerInnen wird so die Chance auf einen sozialen Aufstieg über den Bildungsweg verwehrt. Auch die familiäre Wohnsituation ist für die schulische Laufbahn der Kinder ausschlaggebend. Aufgrund des tendenziell geringen Einkommens vieler ZuwanderInnenfamilien herrscht in den Wohnungen vielerorts Platzmangel. Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Lernsituation der Kinder. Der Umstand, dass sich viele MigrantInnen – zumeist aus Kostengründen – in bestimmten Vierteln ansiedeln, erschwert zudem den Kontakt zu deutschsprachigen Kindern und Eltern. All diese Umstände weisen auf eine strukturelle Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund hin, so das Credo der Vortragenden.Umso wichtiger sei es daher, Lösungsansätze zu finden, um Bildungsmöglichkeiten langfristig gerechter zu gestalten, und allen Kindern die gleichen Chancen auf Bildung zu ermöglichen.
Wo, wann, wie lange (nicht) gefördert wird
LehrerInnen sind im Unterricht oft mit der besonderen Herausforderung konfrontiert, dass viele ihrer SchülerInnen Lerndefizite aufweisen oder vielleicht gar nicht Deutsch sprechen. Diese Kinder würden einerseits eine spezielle Förderung benötigen, da sie laut OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) besonderen "Orientierungs- und Beratungsbedarfs" haben. Bis jetzt würde diese Forderung aber nur "punktuell und eventhaft“ stattfinden. Andererseits sind die LehrerInnen mit der Situation oft überfordert, da ihre pädagogische wie fachliche Ausbildung aufgrund zu geringer "Dauer und Intensität" vielfach nicht ausreicht. Daher fällt es oft schwer, auf das unterschiedliche Bildungsniveau der Kinder einzugehen und sie dementsprechend in den Unterricht zu integrieren. Wenn es überhaupt Projekte gibt, die sich Kindern mit Lernschwächen oder in sozialer Benachteiligung - was oft Hand in Hand geht - widmen, dann steht meist zu wenig Zeit zur Verfügung, um tatsächlich langfristige Erfolge zu erzielen. Zudem ist die Bezahlung für PädagogInnen - hauptsächlich Frauen - in diesem Bereich unzureichend, so die ReferentInnen.Eine andere Bildungspolitik! Aber wie?
Ein Ziel der grünen Bildungspolitik ist es daher, die Drop-out-Quote an Schulen, die in Zusammenhang mit den sozialen Lebensbedingungen der Kinder steht, zu verringern. Zudem sei es notwendig, Förderprogramme - seien es Projekte zum Nachholen des Hauptschulabschlusses oder individuelle Förderkurse - ausreichend finanziell auszustatten und zu bewerben. Anzusetzen sei allerdings schon früher: So fordern die Grünen, dass ein kostenloses verpflichtendes Kindergartenjahr nicht beliebig umgesetzt werden sollte, sondern flächendeckend und für alle gelten müsse.
Die anschließende Diskussion bemühte sich darum, weitere Lösungsansätze zu finden. Das Konzept der Gesamtschule fand dabei regen Zuspruch, da es für sozial benachteiligte Kinder bessere Bildungschancen eröffne. Kritisiert wurde hingegen der Bildungs-Reformvorschlag von Bildungsministerin Claudia Schmidt, da spezielle Anlaufstellen für SchülerInnen mit Lerndefiziten nach wie vor fehlen oder mangelhaft wären. Damit LehrerInnen der Herausforderung gewachsen sind, auf Kinder aus unterschiedlichen Kulturen oder mit unterschiedlichen Bildungsniveaus einzugehen, müsse ihre Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen verbessert werden. Denn ohne gut ausgebildetes Lehrpersonal hätte jede Bildungsreform keine Chancen.
Dass trotz des großen Anteils an SchülerInnen mit türkischer Muttersprache kein Unterricht in ihrer Sprache angeboten werde, traf bei den Diskussionsteilnehmerinnen auf großes Unverständnis. Mehrsprachigkeit sollte auf jeden Fall gefördert werden, so der einstimmige Tenor.





