Grüne Bildungswerkstatt Wien

A-1070 Wien, Neubaugasse 8
http://www.gbw-wien.at/
Texte - Stadt & Bezirk / 13.05.2008 / Martin Reif

Schulsozialarbeit für Rudolfsheim-Fünfhaus!

Die Bezirksvertretung der Grünen im 15. Wiener Gemeindebezirk lud am 6. Mai zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema "Ist Schulsozialarbeit die Antwort auf die zunehmende Gewalt an den Schulen?". Ein Bericht.

Unter der Moderation von Birgit Hebein (Klubobfrau der Grünen Alternative Rudolfsheim-Fünfhaus und Sozialarbeiterin) diskutierten Margot Müller vom Verein YOUNG, Karin Waidhofer vom Verein NEUSTART, Bezirksschulinspektor Manfred Pinterits und die Grüne Gemeinderätin Susanne Jerusalem die Möglichkeiten der Schulsozialarbeit im Allgemeinen und ihren Einsatz in den Schulen des 15. Bezirks im Besonderen.

Warum Schulsozialarbeit?


Das Abbrechen der schulischen Ausbildung, Vandalismus, Gewalt und Drogenkonsum sind oft die Folgen unaufgearbeiteter Probleme der Kindheit und Jugend. Viele dieser Probleme, zu denen Lernschwierigkeiten, Ängste, familiäre Probleme und immer häufiger auch Gewalt gehören, werden im Schulalltag sichtbar. Schulsozialarbeit will den SchülerInnen die Möglichkeit geben, darüber zu sprechen, mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen und schwierige Situationen zu bewältigen.

Erfahrungen in Österreich


Margot Müller berichtete von den Erfahrungen der sozialen Einrichtung "x-Point" (Trägerverein YOUNG), die seit mittlerweile neun Jahren Schulsozialarbeit an mehreren Schulen in Niederösterreich anbietet. Ziel sei das niederschwellige Erreichen von Kindern und Jugendlichen. x-Point wolle ein vertrauenswürdiger Ansprechpartner sein und bemühe sich daher, Kontinuität in örtlicher, zeitlicher und personeller Hinsicht zu gewährleisten. Um eine "Lobby" für Kinder sein zu können, sei ein vertraulicher, wertschätzender und vor allem freiwilliger Rahmen unabdingbar. Wichtig sei auch ein guter Kontakt zu den LehrerInnen, da diese etwa Konfliktsituationen in den Klassen frühzeitig erkennen könnten.

Eine Absenkung des Strafmündigkeitsalters von Jugendlichen und die Einrichtung von "Erziehungscamps" seien kein adäquates Mittel, um dem Problem der Gewalt an Schulen zu begegnen, meinte Karin Waidhofer vom Verein NEUSTART. Der Verein biete Schulsozialarbeit in Salzburger Schulen an und verstehe sich vor allem als Mittel der Prävention. Wie Margot Müller betonte auch Karin Waidhofer, wie wichtig es sei, den SchülerInnen eine möglichst leicht zugängliche Anlaufstelle zu bieten. Aus einer unter SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern durchgeführten Umfrage sei hervorgegangen, dass sich das Schulklima durch die Schulsozialarbeit eindeutig verbessert habe und dass die überwiegende Mehrheit der Befragten die Hilfe von kontinuierlich anwesenden, ausgebildeten SozialarbeiterInnenn als äußerst positiv empfinde.

Schulsozialarbeit im 15. Bezirk


Die Gemeinderätin und Schulsprecherin der Grünen Wien, Susanne Jerusalem, setzt sich für die feste Verankerung der Schulsozialarbeit ein, da immer mehr Kinder sie bräuchten und die LehrerInnen so entlastet werden könnten. Das Gegenargument "Zu teuer" der Stadt Wien lässt sie nicht gelten: Zum einen sei es eine Frage des politischen Willens, solange das Geld für den Bau von Straßen und Garagen reiche. Zum anderen könne man durch Schulsozialarbeit sehr viel höhere Folgekosten, die durch schlechte Ausbildung, Vandalismus, Drogenkonsum und Kriminalität entstünden, einsparen.

Bezirksschulinspektor Manfred Pinterits sprach sich dagegen aus, den 15. Bezirk immer direkt mit sozialen Problemen in Verbindung zu bringen. Zweifellos gebe es Gewalt, auch an Schulen, aber man stehe nicht vor unüberwindbaren Schwierigkeiten. Er sieht Schulsozialarbeit jedenfalls nur als Teil der Lösung, hält die Aufrechnung von Kosten, die entstehen oder eingespart werde könnten, aber nicht für zielführend. Im Konzept der Schulsozialarbeit sind seiner Ansicht nach Soziales und Pädagogik zu strikt getrennt, daher plädiert er im Bereich der Schule für eine Zusammenführung im Sinne einer Sozialpädagogik.

Schlussrunde

In der Schlussrunde kam es mit dem Publikum, es waren vornehmlich LehrerInnen und DirektorInnen der Pflichtschulen des 15. Bezirks geladen, zu einer lebhaften Diskussion. Unter anderem wurde die Frage gestellt, wie sich Schulsozialarbeit mit bestehenden Programmen der Mediation vereinbaren ließe, bzw. ob diese dadurch überflüssig würden. Susanne Jerusalem antwortete, dass hier keine Konkurrenz entstehen solle und werde, da es sich um unterschiedliche Ansätze handle. Während Mediation in bereits eskalierten Konfliktfällen zur Lösung eingesetzt werde, sei die Schulsozialarbeit kontinuierlich vor Ort, um vorbeugend zu wirken.

Daraufhin wurde nachgefragt, wie diese vorbeugende Wirkung erzielt werden könne, wenn, wie vorgeschlagen, aus Kostengründen die SozialarbeiterInnen nur an einem Tag pro Woche in der jeweiligen Schule anwesend wären. Am Podium war man sich einig, dass die tägliche Anwesenheit von SozialarbeiterInnen die ideale Lösung wäre. Der konkrete Vorschlag sei aber einerseits besser als der Ist-Zustand und andererseits eine Annäherung an ein verbessertes Schulsystem. Die Schulsozialarbeit sei schließlich, so der Tenor, kein Allheilmittel, aber ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung.


Der Autor ist Mitglied des Redaktionsteams der GBW-Wien