Grüne Bildungswerkstatt Wien

A-1070 Wien, Neubaugasse 8
http://www.gbw-wien.at/
Texte - Europa / 21.01.2008 / Monika Vana

Einschätzung des EU-Reformvertrags

Monika Vana setzt sich mit dem kürzlich unterzeichneten EU-Reformvertrag auseinander und gelangt aus grüner Perspektive zu einer vorsichtig zustimmenden Bewertung.

Am 13. Dezember 2007 wurde in Lissabon der EU-Reformvertrag unterzeichnet. Die Ratifizierung in den 27 EU-Mitgliedstaaten soll im Laufe des Frühjahrs 2008 erfolgen. In Österreich gibt es seit einigen Monaten eine heftige Debatte. Nur selten geht es in der öffentlichen Diskussion tatsächlich um die konkreten Inhalte des Reformvertrags.

Aus meiner Sicht ist der Vertrag differenziert einzuschätzen, insgesamt kann von einem Fortschritt gegenüber dem Status Quo gesprochen werden.

Kritikpunkte

Einige der Kritikpunkte:

Verbesserungen

Dem stehen jedoch auch zahlreiche Verbesserungen im Vergleich zum geltenden EU-Vertrag von Nizza gegenüber:

Somit ist der EU-Reformvertrag zumindest ein erster Schritt in Richtung eines Kurswechsels für ein "anderes Europa".

Zur Frage der Volksabstimmung

Die Grünen im Parlament treten ebenso wie die Europäischen Grünen für eine (am selben Tag abgehaltene) europaweite Volksabstimmung über den EU-Reformvertrag ein - ebenso wie für Verankerung dieses Instruments im EU-Vertrag.

Die Wiener Grünen gehen noch einen Schritt weiter: Sie befürworteten auch eine Volksabstimmung in Österreich. Allerdings hielten auch sie eine europaweite Volksabstimmung zum Reformvertrag für die adäquatere Form, wie über ihn abzustimmen wäre. Dem Vertrag selbst stehen die Wiener Grünen "positiv kritisch" gegenüber (siehe o.g. Argumente).

Es stimmt zwar, dass ein einzelnes Land nicht über die Zukunft von ganz Europa entscheiden sollte, doch gibt es auch das verständliche Argument von zahlreichen sozialen Bewegungen und NGOs aus dem Friedens-, Umwelt-, Sozial- und Demokratiebereich sowie von BürgerInneninitiativen, dass angesichts des Fehlens einer europaweiten Volksabstimmung zumindest eine solche auf nationaler Ebene die Mitentscheidung der Menschen ermöglichen sollte.

Wie auch immer die Entscheidung letztlich ausgehen wird - eine breite inhaltliche europapolitische Diskussion auf allen Ebenen ist in jedem Fall nötiger denn je!

Die Grünen kämpfen für:


Monika Vana ist nicht amtsführende Stadträtin in Wien und Mitglied der Landesregierung.