Arbeitsgruppe 1:
There Is an Alternative!
Solidarisches Wirtschaften jenseits des Kapitalismus
Referent: Michael Albert
Inhaltlicher Begleittext: "Wer betroffen ist, soll mitentscheiden können! Solidarität in der Wirtschaft"
Dokumentation der Arbeitsgruppe: "Von Friedman zu Negri und einer Bewegung, der die Leute davonlaufen"
Solidarität und Wirtschaft werden kaum im gleichen Atemzug ausgesprochen. Die Optimierung des Eigennutzens gilt als Erfolgsprinzip kapitalistischer Marktwirtschaften. Was wie produziert wird, entscheiden Unternehmen; was wo gekauft wird, obliegt den individuellen Wahlentscheidungen der KonsumentInnen. Unser Wirtschaftssystem produziert zwar eine Unmenge an Produkten, aber auch Umweltzerstörung, Ungleichheit und Massenarmut. Auf Unmutsäußerungen und Kritik hat Maggie Thatcher während ihrer Amtszeit immer wieder das gleiche Motto ausgegeben: "There is no Alternative!". Es gäbe keine Alternative, zum neoliberalen, ausbeuterischen Kapitalismus. So etwas wie Gesellschaft existiere nicht, es wäre kein Platz für Solidarität.
Und was, wenn wir das nicht hinnehmen wollen? Wie könnten Alternativen aussehen, die weniger soziale und ökologische Kosten zur Folge haben? Wie könnte Wirtschaft - von der Produktion bis zum Konsum - solidarisch organisiert werden? Welche Experimente gab und gibt es, welche Modelle scheinen aussichtsreich? Braucht es dazu die Mitbestimmung aller jeweils Betroffenen, oder gibt es auch andere Formen solidarischen Wirtschaftens? Ist PARECON als die von Michael Albert erarbeitete partizipative Ökonomie ein sinnvolles Modell? Wenn ja, was könnten erste Schritte in Richtung partizipativ-solidarischen Wirtschaftens sein? Was kann davon gelernt werden?
Diese Arbeitsgruppe findet in Englisch statt.
Arbeitsgruppe 2:
Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
Entsolidarisierung als Herrschaftsinstrument
Referentin: Cornelia Klinger
Inhaltlicher Begleittext: "Der Traum ist aus? Entsolidarisierung als Herrschaftsinstrument"
Dokumentation der Arbeitsgruppe: "Strategien gegen die Entsolidarisierung"
Fragmentierung ist seit jeher eine der wichtigsten Herrschaftsstrategien, sei dies zwischen Geschlechtern, Generationen oder Nationen. Denn - so in Brechts Solidaritätslied - "solang sie uns entzweien, bleiben sie doch uns´re Herrn". Solidarität kann sich allerdings nur voll entfalten in einer Gesellschaft ohne Hierarchien von Stand, Geschlecht oder Klassen. Doch der Weg in Richtung einer solidarischen Welt beginnt in einer Gesellschaft von Ungleichen, in der Entsolidarisierung ein beliebtes Herrschaftsinstrument ist.
Gleichzeitig fordern Mächtige Solidarität mit sich ein und verhindern die Solidarität der Benachteiligten, indem sie behaupten, alle sitzen im selben Boot. Dies galt beim "nationalen Schulterschluss" gegen die EU-Sanktionen 2000 oder wird unter Berufung auf Wettbewerbsfähigkeit als Argument für Lohnverzicht eingesetzt.
So erleben wir die das gegenseitige Ausspielen auf vielfältige Weise: In Pensionsdebatten, im Streit von UmweltschützerInnen gegen ArbeiterInnen oder in Form eigenmächtig definierter nationaler Interessen. Was können wir dem entgegenstellen? Wie ist Solidarität unter Gleichen zu fördern, um Ungleichheit zu überwinden? Was braucht es, damit Solidarität stärker ist als Spaltung? Was braucht es, um das Recht auf Individualität mit einem solidarischen Bewusstsein des gemeinsamen Wollens zu verknüpfen?
Arbeitsgruppe 3:
Es ist schön, solche Freunde zu haben.
Solidarität als Gemeinschaft Gleichgesinnter
ReferentInnen: Eva Geber
Inhaltlicher Begleittext: "Gemeinsam statt einsam... Über Solidarität und Seilschaften"
Dokumentation der Arbeitsgruppe: "Wo bleibt die Frechheit?"
Mitglied zu sein in einer solidarischen Gemeinschaft Gleichgesinnter ist ein Traum vieler Menschen. In vielfältigen Formen haben Menschen exklusive Gruppen geschaffen, um in einem Klima wechselseitiger Wertschätzung gemeinsame Werte zu propagieren und gemeinsame Ziele zu verfolgen: Orden und Kaderparteien, Jungschar und Selbsthilfegruppen, Rotary und Freimaurer. Die Wiener Grünen vereinen Menschen, die sich für solidarische und ökologische Alternativen einsetzen. Es braucht eine Gruppe Gleichgesinnter, um sich wohl zu fühlen und gemeinsam handlungsfähig zu werden.
Die Schattenseiten und Gefahren solcher Gesinnungsgemeinschaften liegen allerdings auch auf der Hand: Exklusive Solidargruppen, wie Männerbünde oder der European Round Table of Industrialists, erklären ihre eigenen Interessen zu den Interessen der Allgemeinheit und nutzen die engen Bindungen, um diese Interessen auch durchzusetzen. Mafia oder Sekten schaffen sich ihre eigenen Regeln, die sie auch an Demokratie und Rechtsstaat vorbei durchsetzen.
Was sind die Stärken, was die möglichen Gefahren von Gesinnungsgemeinschaften? Wie funktionieren Solidargemeinschaften und was macht ihre Attraktivität aus? Was können wir von ihnen für die Organisation einer wirkungsvollen Politik in Richtung einer solidarischen Gesellschaft lernen? Und wie kann jenen Organisationen wirkungsvoll entgegen getreten werden, die ihre Exklusivität für ihre exklusiven Interessen nutzen?
Arbeitsgruppe 4:
Weil der Mensch ein Mensch ist, drum hat er Stiefel im Gesicht nicht gern! Solidarität der Unterdrückten
Referentin: Margit Appel
Inhaltlicher Begleittext: "Solidarität der Unterdrückten: 'Alles für alle, nichts für uns!'"
Dokumentation der Arbeitsgruppe: "Vom einsamen Jammern zum gemeinsamen Handeln?"
Im Laufe der Geschichte haben sich immer wieder Unterdrückte - SklavInnen, ArbeiterInnen, Oppositionelle - zusammengeschlossen, um für ihre Befreiung zu kämpfen. Manchmal bildeten sich auch solidarisierende Gruppen von nicht direkt Betroffenen, um diese Kämpfe zu unterstützen - wie im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika oder gegen Diktaturen in Lateinamerika. Allerdings endete diese Form der Unterstützung nicht selten in karitativen Gesten des Helfens, wie Spenden oder dem Konsum fair gehandelter Produkte. Demgegenüber fordern die ZapatistInnen, dort zu kämpfen, wo jede Person lebt und arbeitet, die eigene Betroffenheit zu erkennen und sich zusammen zu schließen.
Was heißt das für uns konkret? Was ist unsere eigene Betroffenheit, wo werden wir in unseren Möglichkeiten eingeschränkt und erleiden Ungerechtigkeit? Welche Auseinandersetzungen gilt es zu führen, welche Veränderungen zu erstreiten? Inwiefern führt unsere Emanzipation zu einer weltweit gerechten Welt?
Arbeitsgruppe 5:
Wessen morgen ist der Morgen und wessen Welt ist die Welt? Ökologische Solidarität in Zeiten von Klimawandel und Oil Peak
Referent: Ulrich Brand
Inhaltlicher Begleittext: "Zur (Un-)Möglichkeit ökologischer Verantwortung und Solidarität im neoliberalen Standortwettbewerb"
Dokumentation der Arbeitsgruppe: "Sozial-ökologische Solidarität als Antwort auf die ökologische Krise"
Klimaschutz braucht Solidarität. Sehr häufig bezieht sich das einzig auf "unsere Kinder", also die nachfolgenden Generationen. Vergessen bleibt, dass es auch Hier und Jetzt ein Gegenüber gibt: Die ungleiche Nutzung von Natur schadet vor allem Menschen in den Ländern der Peripherie. Diese sind von Dürrekatastrophen, Überschwemmungen und ähnlichem öfter und schwerer betroffen als Menschen in Mitteleuropa. Die Klimakonferenz in Bali hat ökologische Gerechtigkeit zu einem Kernthema internationaler Politik gemacht.
Wie kann ein fairer, solidarischer Umgang mit der Umwelt und natürlichen Ressourcen organisiert werden? Welche Modelle gibt es? Schafft der ökologische Fußabdruck Bewusstsein für die ungleiche Nutzung der Weltressourcen? Oder wäre ein Mini-Max-Modell anstrebenswert, das Grundsicherung als ein garantiertes Minimum und Obergrenzen als ein nicht zu überschreitendes Maximum des Ressourcenverbrauchs festlegt? Braucht es mehr Einschränkungen? Welche? Und was wären die Bedingungen, unter denen Menschen bereit wären, diese auf sich zu nehmen?
Arbeitsgruppe 6:
Wer im Stich lässt seinesgleichen, lässt ja nur sich selbst im Stich. Institutionalisierte Solidarität
Referent: Erich Reichelt
Inhaltlicher Begleittext: "Zwischen Teilhabe und Delegierung: Die widersprüchliche Form der institutionalisierten Solidarität"
Dokumentation der Arbeitsgruppe: Individuelle Vorsorge und Mechanismen der Entsolidarisierung
Europas Mittelschicht steht vor einer schwierigen Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen: Entweder sie solidarisiert sich mit den Benachteiligten und verteidigt den Sozialstaat und ein soziales Gemeinwesen oder sie akzeptiert die Individualisierung und Privatisierung von Risiken und Chancen. Als Ergebnis jahrzehntelanger sozialer Kämpfe, Streiks und Kriegen entstand in Österreich im 20. Jahrhundert ein Wohlfahrtsstaat, der Menschen in Notlagen unterstützt und ein weitgehend universelles Bildungs- und Gesundheitssystem schuf.
Die neoliberalen Verlockungen untergruben die Legitimation institutioneller Formen der Solidarität. Eine gute, private Ausbildung für die Kinder oder ein "Klasse"-Zimmer im Krankenhaus sind mittlerweile nicht nur für Snobs erstrebenswert. Doch zeigen die Krisen auf den Finanzmärkten, wie prekär eine unsolidarische Form der Absicherung von Lebensrisiken ist. Liberale Privatisierungswut bei Pension, Bildung und Gesundheit erhöht die Risiken fast aller und damit auch diejenigen der Mittelschicht.





