Grüne Bildungswerkstatt Wien

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Bildungsangebote - Archiv - Frauen und Macht / 26.09.2007 / Redaktion

Feministische Herbstreihe "Frauen und Macht"

Was bedeutet der grüne Grundwert "feministisch" für die Grünen? Eine Veranstaltungsreihe in 3 Etappen geht es an, dies zu ergründen.

Der Flyer zur feministischen Herbstreihe "Frauen und Macht" steht zum Download bereit.

 

Feminismus ist auch heute noch ein umstrittener Begriff. Während Frauenförderung und Gender Mainstreaming fixer Bestandteil eines jeden zeitgemäßen politischen Partei-Programms sind, besteht zum Grundsatz Feminismus kühle Distanz. Denn der Begriff Feminismus lässt eine oppositionelle, kritisch-unbequeme politische Sichtweise vermuten, die danach trachtet, patriarchale Strukturen bekannter herrschender Konzepte aufzudecken. Ein unbequemes Klischee, dem nicht eine jede Partei entsprechen möchte. Trotzdem nehmen die Grünen für sich in Anspruch, eine Partei mit feministischen Grundwerten zu sein.

 

Was aber bedeutet das konkret? Was ist die politische Utopie eines grünen Feminismus und wo setzt er in der Realpolitik an? Hier versucht die feministische Herbstreihe der Grünen Frauen Wien und der GBW Wien zu "Frauen und Macht" Vorschläge für programmatische Konkretisierungen zu liefern und will dabei die Notwendigkeit eines politischen Bekenntnisses zum Feminismus hervorheben. Ziel ist, die Bedeutung und Notwendigkeit feministischer Positionen - innerhalb der Grünen, die als einzige Partei "feministisch" als Grundwert verankert hat - zu stärken.


In einer Zeit, in der einerseits Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern permanent suggeriert und andererseits Back-Lash-Politik betrieben wird, ist es Aufgabe der Grünen, feministische Sichtweisen verstärkt in den Mainstream einzubringen. Gemeinsam mit ausgewählten Expertinnen sollen in öffentlichen Diskussionen und grün-internen Workshops feministische Sichtweisen und Diskurse aus den Bereichen Ökonomie, Migration und Frauen-/Gender-/Queerforschung zur Schärfung Grüner Politik erörtert werden.

Themenkreis 1: Ökonomie: Feminismus und Kapitalismus

Vortrag: Was tun, wenn der neue Feminismus neoliberal ist? Betrachtungen an einem lebendigen Stück passiver Revolution

Termin: 11. Oktober 2007, 18:30 Uhr
Ort: Großer Festsaal der Universität Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien
Referentin: Frigga Haug (Soziologin)

Feminismus hat derzeit Konjunktur - sowohl als Prügel wie als Geprügelter. Um zu begreifen, wie der Geist des Feminismus zugleich vergessen scheint, gleichwohl bekämpft wird und wiederum eingesetzt ist für neoliberale Politik müssen wir ein Stück zurücktreten und zunächst in Erinnerung rufen, in welchem Zusammenhang eigentlich die Geschlechterfrage zum Neoliberalismus steht. Wir fragen ferner, welche Verschiebung der neoliberale High-tech-Kapitalismus brachte, und was dies für die Frauenfrage bedeutet. Wir besichtigen die Kämpfe gegen den alten Feminismus und die Geburt des neuen. Gemeinsam diskutieren wir Möglichkeiten, feministisches Land wiederzugewinnen.

Eine öffentliche Veranstaltung in Kooperation mit AUF-eine Frauenzeitschrift, GBW, GRAS, ksv-lili und transform!at.

Workshop: Was hat Ökonomie mit "Weiblichkeit" und "Männlichkeit" zu tun?

Workshop zum Zusammenhang von Produktionsweise, Lebensweise und Geschlechterverhältnissen

Termin: 15. Oktober 2007, 16:00 Uhr
Ort: Büro der GBW-Wien, Neubaugasse 8, 1070 Wien
Moderation: Gundula Ludwig (Sozialwissenschafterin)

In dem Workshop wollen wir der Frage nach dem Zusammenhang zwischen Produktionsweise, Lebensweise und Geschlechterverhältnissen nachgehen. Dazu werden wir Antonio Gramscis Analyse des Fordismus gemeinsam lesen, um das Handwerkzeug für das Begreifen dieses Zusammenhangs und die historische Wahrnehmung für gegenwärtige Veränderungen zu erarbeiten. Davon ausgehend werden wir aktuelle Trends von Arbeits- und Lebensweisen sowie den Geschlechterverhältnissen darin diskutieren, um Voraussetzungen und Perspektiven feministischer Politik auszuloten.

Ein Workshop in Kooperation mit GBW und GRAS.

Themenkreis 2: Frauen-/Gender-/Queerforschung

Feministische Theorien und feministische Politiken haben auch zur Verankerung von Frauenförderung als quantitative Förderung (Frauenquote) und qualitative Förderung (Mentoring, Netzwerke) geführt. Als Spezifizierung gilt nunmehr die gesetzliche Verankerung des Gender-Mainstreaming (GM). Seit geraumer Zeit werden auch Queer-Theory und Diversity-Ansätze dahingehend diskutiert, wie sie in der Praxis beachtet und umgesetzt werden können. Zu berücksichtigen wären demnach nicht nur Frauen (Frauenförderung) bzw. Frauen und Männer (GM), sondern auch Diversity-Kategorien wie kulturelle Herkunft, Hautfarbe, soziale Klasse, sexuelle Orientierung, Religion, Alter, "Behinderung", Geschlechter (Transgender, Frauen, Männer, Intersexuelle...) etc. Eine Diskussion, die neue Herausforderungen für grüne Politik mit sich bringt.

 

Workshop: Politik - Macht - Geschlecht. Wie stellt Politik Geschlechter her und wie kann Politik für Gleichstellung sorgen?

Termin: Freitag, 16. November 2007, 16:00-19:00 Uhr
Ort: Seminarraum der GBW-Wien, Neubaugasse 8, 1070 Wien
Referentin: Gudrun Perko (Philosophin, Mediatorin und Buch-Autorin)
Anmeldung: Mail an info@gbw-wien.at

 

Im Workshop wollen wir nach Theorie-Input folgende Fragen diskutieren: Wie macht Politik Geschlechter? Welche Konzepte gibt es zur praktischen Umsetzung von Gleichstellung? Wie lassen sich Frauenförderung, Gender Mainstreaming, Queertheorien und Diversity verknüpfen? Welche neuen/alten Ein- und Ausschlüsse stellen sie her? Welche Rolle spielt Feminismus und Neoliberalismus in diesen Konzepten? Welche Auswege aus dem Dilemma zwischen Anerkennung und Festschreibung von Differenzen können wir für parteipolitisches Handeln ableiten? Wir freuen uns über rege Beteiligung Menschen, die mehr zum Thema erfahren und ihre Sichtweisen einbringen wollen.

Die Veranstaltung findet mit freundlicher Unterstützung der Grünalternativen Jugend Wien (GAJ), den Grünen Andersrum (GA) Wien und den Grünen & Alternativen StudentInnen (GRAS) statt.

Vortrag: Gerechtigkeit für alle? Die Erweiterung von Gender Mainstreaming durch Queer und Diversity - Notwendige Modelle der Gerechtigkeit für die Praxis

Termin: Montag, 3. Dezember 2007, 18.30 Uhr
Ort: VHS Ottakring, Ludo-Hartmann-Platz, 1160 Wien
Referentin: Gudrun Perko (Philosophin, Mediatorin und Buch-Autorin)

Die Strategie des Gender Mainstreaming soll die unterschiedlichen Ausgangslagen und Wirkungen von Maßnahmen auf Frauen und Männer und die Gleichstellung in allen Lebensbereichen berücksichtigen. Inwiefern das Ziel bislang praktisch umgesetzt wurde, gilt es zu fragen. Zudem zeigt sich, dass Erkenntnisse und Forderungen der Queer-Studies und von Diversity-Ansätzen bislang in der Gleichstellungspolitik und -praxis vernachlässigt wurden: Erstens, weil es nicht nur die Geschlechter Mann und Frau gibt, sondern eine Vielzahl von Gender existiert (Transgender, Intersexualität etc.). Und zweitens, weil die Kategorie Gender ("Geschlecht") alleine nicht ausreicht, um gegen gesellschaftliche Benachteiligung von Menschen vorzugehen, sondern es um die Verknüpfung von Gender, kulturelle Herkunft, Hautfarbe, soziale Klasse, sexuelle Orientierung, Religion, Alter, "Behinderung" etc. gehen muss. Es bedarf daher eines intersektoralen Ansatzes.

Gudrun Perko erklärt im Vortrag, was Gender Mainstreaming, Queer-Studies und Diversity-Ansätze meinen. Anschließend stellt sie das Konzept der "sozialen Gerechtigkeit" vor, welches das bisherige GM-Konzept sinnvoll und praxisrelevant erweitert. Ebenso bringt sie Beispiele aus der Praxis, wo bereits auf Queer- und Diversity-Ansätze Rücksicht genommen wird.

Die Veranstaltung findet mit freundlicher Unterstützung der VHS Ottakring und den Grünen Ottakring statt.

Mag. Dr. Gudrun Perko ist Philosophin, Mediatorin und Buch-Autorin. 2005 erschien ihr Buch "Queer-Theorien. Über ethische, politische und logische Dimensionen des plural-queeren Denkens" im PapyRossa (Köln).

Themenkreis 3: Frauen und Migration

Bedrohen Migration und die Anerkennung von Minderheitenrechten feministische Errungenschaften oder gibt es Schnittstellen und gemeinsame Ansätze im Sinne einer emanzipatorischen Politik? Aktuelle Entwicklungen in Einwanderungsgesellschaften stellen feministische Theorieansätze sowie feministische Politik jedenfalls vor neue Herausforderungen. Referat
und Workshop werden die gegenwärtigen Debatten zur Vereinbarkeit von Multikulturalismus und Geschlechtergleichheit aus einer feministischen und antirassistischen Perspektive diskutieren. Im Workshop wird die Problemstellung anhand von ausgewählten Praxisfeldern (politische Regelungen und Diskussionen um das muslimische Kopftuch, Hausarbeitsmigration) vertiefend bearbeitet.

Vortrag: Frauen und Migration, Migration und Geschlechtergleichheit: Widerspruch - Spannungsfeld - Chance?

 

Termin: Donnerstag, 10. Jänner 2008, 19:00 Uhr
Ort: Klublokal der Grünen Neubau, Hermanngasse 25, 1070 Wien
Referentinnen: Karin Liebhart und Leila Hadj-Abdou

Workshop: Frauen und Migration, Migration und Geschlechtergleichheit: Widerspruch - Spannungsfeld - Chance?

 

Termin: Freitag, 11. Jänner 2008, 16:00 - 19:00 Uhr
Ort: Klublokal der Grünen Neubau, Hermanngasse 25, 1070 Wien
Referentinnen: Karin Liebhart und Leila Hadj-Abdou
Anmeldung: info@gbw-wien.at (bitte im Betreff "Migration und Geschlechtergleichheit" angeben).

Diese Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit der GBW,
GAJ und GRAS statt.


Eine Veranstaltungsreihe der GBW-Wien und der Grünen Frauen Wien in Kooperation mit GBW-Bund und GRAS