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Liberalismus - eine widersprüchliche Ideologie

Gerne bezeichnen sich Menschen heutzutage als liberal. Damit wollen sie ausdrücken, wie tolerant sie sind: gegenüber Andersdenkenden und Minderheiten.

Redaktion | 16.06.2005

Und wie offen sie sind: gegenüber anderen Lebensentwürfen, AusländerInnen und gesellschaftlichen Tabus (Drogen, Homosexualität). Als liberal in diesem Sinne, als "linksliberal" oder "sozialliberal", wollen sich auch viele Grüne verstanden wissen. "Selbstbestimmt" heißt der neu hinzugefügte Grundwert im Grünen Programm. Liberale sind, um ein anderes Wort aus dem Grünen Programm zu gebrauchen, "aufgeklärte Egoisten": "gut leben und leben lassen".

Gleichzeitig ist es weitgehend grüner Konsens, dass Grüne gemeinsam mit der globalisierungskritischen Bewegung Liberalismus unter dem Etikett Neoliberalismus ablehnen. Dieser bringe mit Privatisierung und Liberalisierung "soziale Kälte", Arbeitslosigkeit und Sozialabbau. Aber warum ist das "Neo" schlecht, wenn der Liberalismus gut ist? Ist der Neoliberalismus nur eine "wirtschaftsliberale" Verirrung einer an sich guten Ideologie?

Im Österreich des 19. Jahrhunderts waren die Liberalen die Partei des Großbürgertums, das bestrebt war, das Wahlrecht den Reichen vorzubehalten. Als ihnen dies nicht mehr gelang, wurden sie von den Christlichsozialen und Sozialdemokraten verdrängt. In der Nachkriegszeit fand sich "liberal" als Ideologiebestandteil einzig im freiheitlichen Gedankengut der FPÖ, die ja lange Zeit auch Mitglied der Liberalen Internationale war. Kein Wunder, dass das Liberale Forum als Abspaltung der FPÖ entstand; sein Financier, Haselsteiner, hat bis heute gute Kontakte zu Jörg Haider. Das Liberale Forum versuchte, mit einem wirtschafts- und sozialliberalen Kurs erfolgreich zu sein. Es scheiterte, und die Grünen erbten einen Gutteil der Wählerschaft. Haben wir damit auch das liberale Gedankengut geerbt? Und auch die Widersprüchlichkeit, Liebkind der Industriellen und Verteidigerin von Minderheiten zu sein?

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Thema: Liberalismus

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