© Grüne Bildungswerkstatt Wien - A-1070 Wien, Neubaugasse 8 | Öffnungszeiten: Mo-Do: 9:00-14:00 Uhr

Wiener Linien - Bezirkspolitik - Wirtschaftspolitik: Hat das miteinander zu tun? (I)

Die BG 2, die GBW-Wien und das Grundlagenteam der Wiener Grünen diskutierten ihre Erfahrungen mit den Wiener Linien und stellten dabei die Frage, wo Anknüpfungspunkte für politische Veränderungen bestünden.

Kurt Mayer | 27.04.2006

Es war schnell klar. Jede/r in der Runde hat mit den Wiener Linien schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Grünen bringen in der Bezirksvertretung einen Antrag zur Erhöhung der Frequenz einer bestimmten Buslinie ein, die Wiener Linien sagen dazu "Njet, geht nicht". Die Bezirksgrünen wollen die Einstellung einer bestimmten Straßenbahnlinie verhindern, weil diese Linie für bestimmte Bevölkerungsgruppen im Bezirk von großer Bedeutung ist, die Wiener Linien sagen dazu "Njet, zu teuer". Die Grünen orten das Bedürfnis nach einer zeitlichen Ausweitung einer bestimmten Strecke in die späten Nachtstunden hinein, weil eben auch Menschen aus den Randlagen der Stadt am Abend öfters das Kulturangebot der Stadt nutzen wollen. Die Wiener Linien sagen dazu "Njet, zu wenig Auslastung".


Njet oder Njet

Und manchmal, vor einer Wahl, sagen die Wiener Linien "Das muss man sich genauer anschauen. Aber nach der Wahl ist es dann doch wieder "Njet.....". Aber nicht nur die Grünen, so die Beobachtung unserer Diskussionsrunde, manchmal auch alle Parteien einer Bezirksvertretung und hin und wieder sogar die Stadt Wien trügen zuweilen Wünsche an die Wiener Linien heran, um dann von diesen mit einem "Njet...." versehen zu werden. Dies brachte uns zur Grundfrage, wie es denn möglich sei, dass ein Unternehmen, welches vollständig der Stadt gehört, sich deren Gestaltungswünschen widersetzen kann. Und wir beleuchteten daher die rechtliche und politische Entwicklung, welche der öffentliche Nahverkehr in den letzten Jahren genommen hat.

Die Logik der Wiener Linien als ausgegliedertes Unternehmen

1999 wurden die Wiener Linien aus der Stadtverwaltung ausgegliedert, d.h. die Wiener Linien befinden sich zwar nach wie vor zu 100 Prozent im Eigentum der Gemeinde Wien, sie haben aber seither die privatrechtliche Unternehmensform einer GmbH & Co KG angenommen. Damit verbunden war auch ein Abgehen vom alten System der pauschalen Verlustabdeckung durch die Stadt Wien und die Übernahme des Betreiberrisikos für die Inanspruchnahme des Nahverkehrs und der sich daraus ergebenden Einnahmen durch die Wiener Linien. Im Verkehrsdienstevertrag, der dann 2001 zwischen den Wiener Linien und der Stadt Wien abgeschlossen wurde, sind die Rechte und Pflichten der Wiener Linien geregelt. Der Vertrag definiert die Leistungen, die seitens der Wiener Linien erbracht werden müssen (also die Linien und die Platzkilometer) und regelt auch den finanziellen Ausgleich, welche das Unternehmen zusätzlich zu den Eigeneinnahmen durch die Stadt Wien bekommt.

Der Widerspruch zwischen Kosten und Qualität

Allerdings verbleibt den Wiener Linien auch ein eigener - vom Eigentümer unantastbarer - Entscheidungsspielraum zur Durchführung von Veränderungen in Linienführung, Intervallsetzung etc. je nach Maßgabe dessen, was für gut und richtig gehalten wird. Was aber wird von einem privaten Verkehrsunternehmen für gut und richtig gehalten? Der Widerspruch drängte sich auf: Die Wiener Linien wollen ihre betriebswirtschaftliche Effizienz verbessern, indem sie die Kosten reduzieren und die Einnahmen erhöhen. Da die Erhöhung der Einnahmen nur beschränkt möglich ist (Sparbudgets der Gemeinde Wien machen die Vergütung von Zusatzleistungen und Qualitätsverbesserungen unwahrscheinlich, Tariferhöhungen sind politisch heikel) bleibt fast nur eine Strategie der Kostensenkung, also eine Politik mit dem Rechenstift. Die Anliegen der Bezirksverkehrspolitik an die Wiener Linien sind aber fast immer Kostenverursacher, sie stoßen daher an einen strukturellen Widerspruch. Nämlich die Logik Kosten zu reduzieren einerseits und die Logik Qualität zu verbessern und Kosten zu verursachen andererseits.

Die Auslotung der politischen Gestaltungsspielräume

Die Frage, die sich für uns stellte, war die nach den Anknüpfungspunkten für politische Gestaltungsspielräume. Was soll unserer Meinung nach passieren, damit unsere Vorstellungen von Verkehrspolitik in den Politikprozess Eingang finden und von den Wiener Linien berücksichtigt werden können? Wie ist es als Bezirk möglich in einen Austausch mit den Wiener Linien zu treten, der als echter Dialog ein gemeinsames Bewältigen der Verkehrsherausforderungen zum Ziel hat? Kann die Lösung in einer Liberalisierung des Nahverkehrsmarktes liegen, also in einer Öffnung für andere Anbieter und in einer verpflichtenden Ausschreibung der Wiener Stadtverkehre durch die Stadt Wien?

Lesen Sie in Teil II
: Die Dualität von Staat und Markt überwinden

Der Autor arbeitet im Grundlagenteam der Wiener Grünen und ist Mitglied der GBW-Wien

Referenzen:

Serien: Wiener Linien

Aktuelle Termine

13.03.2012 | Ökonomisierung der Sorgearbeit – fürsorgliche Praxis. Konflikte um nachhaltige Gesellschaftsentwicklung

alle Termine »


Aktionswoche gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus

Ein Nachdenken über die heutige Situation ist bitter notwendig: Das zeigen nicht nur das Massaker von Norwegen und der rechtsextreme Terrorismus in Deutschland, sondern auch der dramatische Anstieg rechtsextremer Aktivitäten in Österreich. Allein im vergangenen Jahr sind in Österreich mehr als 1.000 Anzeigen wegen rechtsextremer Straftaten registriert worden. Diese Entwicklung ist alarmierend. Informationen zu Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus finden sie hier: www.jetztzeichensetzen.at

erinnern_web175px.jpg

Programm Herbst 2011

GBWWien_Herbst2011_start.jpg

Ein gutes Leben für alle!

article_670_guteslebenfueralle_175.png

Datenbank politischer Lieder

RoseNoten_175_2.jpg