Grüne Bildungswerkstatt Wien

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Texte - Politik & Ökonomie - Kapitalismus-Kritik / 21.03.2006 / Redaktion

Frigga Haug: Feministische Kapitalismuskritik

Termin: Freitag, 31. März 2006, 19:30 Uhr
Ort: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

Eine Politik ist feministisch oder sie ist nicht Links

Eines der vielen linken Scheingefechte ist die Frage, ob die Kluft zwischen reich und arm oder die Geschlechterverhältnisse im Zentrum linker Politik stehen sollen. Dabei wird Kapitalismus vielfach auf ein Wirtschaftssystem reduziert. Kritik am Kapitalismus verkümmert dann zu einer Kritik ökonomischer Verhältnisse: Der Produktion, des Eigentums oder der Verteilung. Daraus folgte lange Zeit die linke Strategie, Wirtschaft ins Zentrum politischen Handelns zu stellen. Andere Themenfelder, wie die Frauenemanzipation, wurden als zweitrangig abgewertet.

Geschlechterverhältnisse sind Produktionsverhältnisse

Frigga Haug kritisiert die herr-schenden Zustände als Feministin und stellt die Emanzipation von Frauen ins Zentrum ihrer Herrschaftskritik. Für sie sind Feminismus und Kapitalismuskritik eng verwoben, ja es gibt keine linke Politik, die nicht auch feministisch ist. Geschlechterverhältnisse sind Teil aller sozialen, politischen und auch wirtschaftlichen Beziehungen: Frigga Haugs Versuch "Geschlechterverhältnisse als Produktionsverhältnisse zu behaupten, unterstellt, dass alle Praxen in der Gesellschaft durch Geschlechterverhältnisse bestimmt sind, einen Geschlechtersubtext haben, auch in dieser Weise herrschaftlich kodiert sind."

Frigga Haug argumentiert für eine umfassende Herrschaftskritik, die Kapitalismus und Patriarchat zu überwinden trachtet, und nach Anknüpfungspunkten für Befreiung sucht - sei dies im Alltag oder in sozialen und politischen Bewegungen: "Wenn wir uns nicht selbst befreien, bleibt es für uns ohne Folgen" (Peter Weiß).

Zur Person

Frigga Haug wirkte und lehrte als Professorin an der Hamburger
Universität für Wirtschaft und Politik. Sie ist Verfasserin zahlreicher
wissenschaftlicher Publikationen, ist Mitherausgeberin der Zeitschrift
"Das Argument" und Redakteurin des "Historisch-Kritischen Wörterbuchs des
Marxismus." Ihre Forschungsschwerpunkte: Weibliche Vergesellschaftung, Arbeit, sozialwissenschaftliche Methoden, Lernen.