Wenn ein Land wie Österreich oder Deutschland eine zentralistische, eher starre und unbewegliche Bahn hat und Private oder Kommunen ein Segment rausgreifen lässt, hat es natürlich einen erfrischenden Effekt, weil viel Spielraum da ist für Innovation, Fahrgastfreundlichkeit etc. Doch wesentlich ist, ob diese Privaten in ein Gesamtkonzept eingebettet sind. Denn wenn auf diesen Strecken die Vorteilscard nicht mehr gilt oder der Fahrplan nicht mehr abgestimmt wird, ist das eine Katastrophe. Viel wichtiger wäre es darüber nachzudenken, was wären denn die United European Railways, mit Dezentralität und Bürgernähe in Bezug auf die einzelnen Bahnen, aber eingepasst in einen allgemeinen europäischen Bahnstandard.
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Liest man Ihre Schriften, entsteht der Eindruck, die EU lege es bewusst darauf an, die Bahn zu zerstören.
Im Güterverkehr will die EU die Bahn besser machen. Da hat sie das Bild der USA im Kopf, wo inzwischen 40 % der Güterverkehrsströme auf der Schiene fahren. Aber dort gibt es getrennte Netze für Güter- und Personenverkehr. Und es gibt fast keinen Personenverkehr mehr. Vor dem Hintergrund der getrennten Netze, von drei oder vier Oligopolen und großräumigen Verbindungen - Pazifik-Atlantik; Kanada, USA, Mexico - funktioniert der Güterverkehr im Sinne der großen Konzerne, die damit ihre Standortvor- und -nachteile koordinieren und die großen Produktionsstätten verbinden. Drei Kilometer lange Ganzzüge, doppelt beladen mit Containern, mit drei Loks davor, fahren sehr profitabel - da kommt kein Lkw mit. Die EU sagt im Weißbuch 2001, genau das ist unser Ziel!
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| Fotos: VCÖ, Ausschnitte: Redaktion. | ||||
Wie müsste denn Bahnpolitik nach Ihrer Meinung aussehen?
Eine sinnvolle Bahnpolitik muss darin bestehen, das gesamte Netz so auszugestalten, das sich zumindest tendenziell überlegen lässt, ich brauche vielleicht kein Auto in meinem Leben. Und auch die derzeitige Preispolitik, wo die Bahncard 50 in Deutschland [das Pendant zur österreichischen Vorteilscard, Redaktion] mit 200 Euro prohibitiv teuer ist und zugleich zu lesen ist, dass um 29 Euro überall hin gefahren werden kann, ist der falsche Weg. Es braucht ein Gesamtnetzdenken, kein Schnäppchendenken.
http://www.buergerbahn-statt-boersenbahn.de
Das Interview erschien zuerst im Magazin des Verkehrsclubs Österreich
(VCÖ).
Winfried Wolf war im Juni 2005 Gast der Grünen Bildungswerkstatt (GBW) Wien bei einem Werkstattgespräch: Das Fiasko der EU-Verkehrspolitik - Möglichkeiten der Gegenwehr, veröffentlichte im Magazin der GBW-Wien einen zweiteiligen Beitrag (Alpentransit und EU-Binnenmarkt) und war einer der HauptreferentInnen der Herbstakademie 2005. Das Referat Winfried Wolfs bei der Herbstakademie wird demnächst im Magazin der GBW-Wien erscheinen.





